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Schlagwort: Gier (Seite 1 von 79)

Christian v. Ditfurth –
Ultimatum

Christian v. Ditfurth – Ultimatum

Kommissar Eugen de Bodt ermittelt wieder. In seinem fünften Fall geht es für Deutschland drunter und drüber.

Der Ehemann der Kanzlerin wird entführt und tags darauf erhält sie seine Hand per Lieferdienst. Für de Bodt steht fest, dass dies erst der Anfang ist.

Während unerwartet seine russischen Bekannten eintreffen und den Mord an der russischen Diplomatin aufklären sollen, fühlt sich auch de Bodts Team verantwortlich und stellt schnell fest, dass die ehemalige Leistungsschwimmerin nicht ertrunken, sondern vergiftet wurde.

Die erste Forderung der Entführer trifft ein und lässt de Bodt aufhorchen. Ausgerechnet sein in letzten großen Fall festgenommener Erzfeind Rob soll umgehend freigelassen werden. Der kriminelle Meisterstratege kann fliehen.

Yussuf und auch Sahlinger müssen mit ansehen, wie ihr Chef sich durch den Behördendschungel schlägt und dabei seine Hegel-Zitate wie eine scharfe Machete einsetzt und sich damit wie immer so gar keine Freunde machen will.

Während die Konkurrenzabteilung es mit der Presse fast zu weit treibt, gelingt es den Entführern, auch noch die französische Präsidentengattin einzusammeln.

Dubiose Forderungen ergehen weiterhin an beide Länder. Die Regierungen wissen, dass keine dieser Wünsche erfüllbar und ausführbar sind.

Die Kanzlerin steht hinter de Bodt und lässt ihm seine gewohnten Freiheiten. Doch dann schlagen die Entführer erneut zu und de Bodts Team gerät in große Gefahr.

Mit Ditfurth scheint das politische System in Berlin und anderer Staaten gewaltig überfordert. Uns allen ist klar, dass solche überdimensionalen Staatsapparate vor Versagen nicht gefeit sind und politische Machtspielchen und meisterhafte Deals mit der Privatwirtschaft mehr zählt als dem normalen Bürger und Steuerzahler lieb ist.

Dieser gewaltige Spiegel, den Ditfurth Berlin und dem Regierungsviertel vor das schon zu oft verlorene Gesicht hält, zeigt mehr, als dem Leser lieb ist.

Dennoch versteht sich Ditfurth mit seinem Eugen de Bodt hervorragend auf Freundschaft, Zuverlässigkeit und Hoffnung. Gewohnt schlagen wir uns mit grünem Tee, zischenden Kaffeeautomaten und unerwiderter Liebe durch die kriminelle Welt. Dank der Unterstützung muffiger Franzosen, glühenden Tauchsiedern aus Moskau und Hegel, Hobbs und Marx fällt es allerdings leicht, das Geschehen zu verfolgen.

Wer Tempo liebt, wird hier die richtige Rennbahn finden!

Vielen Dank an RandomHouse für das Rezensionsexemplar.

Stuart Turton –
Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle

Stuart Turton – Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle

Ein heruntergekommenes Gut irgendwo in England und eine Familie, die dort ein letztes Mal eine rauschende Ballnacht inszenieren will. So weit, so gut! Doch was wäre, wenn während der rauschenden Ballnacht Evelyn, die Tochter der Veranstalter zu Tode kommt?

Alles klar, man vermutet einen klassischen britischen Who-Done-It, aber weit gefehlt mit dieser Annahme.

Es stellt sich heraus, dass Evelyn nicht nur einmal zu Tode kommt. Sie wird genau sieben Mal sterben und ihr Mörder muss gerächt werden.

Diese leidvolle Aufgabe fällt auf Aiden, der sich in einer anfänglich dubiosen Zeitschleife zu befinden scheint. Er hüpft jeden Tag in einen neuen Wirt um dem Mörder das Handwerk zu legen. Doch seine Wirte sind enge Vertraute der Familie Hardcastle und machen ihm das Ermitteln ganz schön schwer.

Wer ist hier Feind, wer ist ein Freund? Die Frage stellt sich Aiden während seiner Reisen mehrfach und muss feststellen, dass hier der Mord an Evelyn Hardcastle noch das Geringste seiner derzeitigen Probleme darstellt. Auf diesem riesigen Spielbrett an Eitelkeiten, Geheimnissen und abgrundtiefen Rachegelüsten ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten.

Die Gäste und Wirte entpuppen sich als üble Persönlichkeiten, lüsterne Haudegen und Drogendealer der ganz besonderen Art.

Tag um Tag stellt sich für den Leser die Frage, nach wessen Regeln hier gespielt wird. Fest steht, dass Aiden nicht der einzige „Ermittler“ ist. Es stehen noch weitere Schachfiguren auf dem Brett und auch für die gibt es nur einen Ausweg. Der Mörder Evelyns ist der Hauptgewinn, wären da nicht noch mordende Lakaien, ein mystisch verklemmter Pestdoktor und ein Maskenball, der sogar auf Downton Abbey Eindruck geschunden hätte.

Krimi oder Fantasy?

Der als klassischer Krimi getarnte Irrgarten schafft es dennoch, mit seinen ausgezeichnet skizzierten  Charakteren, hauchfeiner Ironie und einem extremen Überlebenswillen, wahrhaftig zu überzeugen.

Dem Leser wird zwar etwas Hartnäckigkeit, was das Entschlüsseln von Rätseln betrifft, abverlangt. Jedoch trägt dies zur Spannung nur noch mehr bei und fordert wirklich bis zur letzten Seite des Rätsels volle Aufmerksamkeit!

Vielen Dank an Lovelybooks für die Leserunde und an den Tropenverlag für das Rezensionsexemplar!

Hauke Friederichs –
Funkenflug

Hauke Friederichs – Funkenflug

August 1939 – Der Sommer, bevor der Krieg begann.

Während der Sommer über das Land zieht und die Menschen ihrer alltäglichen Beschäftigung nachgehen, plant Hitler bis ins kleinste Detail den Überfall auf Danzig. Von Frieden keine Spur.

Auf dem Obersalzberg geben sich die Diplomaten die Tür in die Hand.

Mit Hauke Friederichs begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise durch den August 1939 und erleben mit, wie sich ein machtgieriger Despot trotz zahlreicher Bemühungen nicht mehr aufhalten lässt.

Das Propagandaministerium zeigt und Tag für Tag, was dem deutschen Volk wiederfahren ist und dass ein Rückschlag unabkömmlich sein wird, während die freie Presse um Klarstellung bemüht ist.

Tageweise erleben wir die Welt aus Sicht einer Sophie Scholl, die von ihrer Jugend geprägt die Hoffnung auf den Frieden bis auf ihren letzten Tag nicht aufgibt.

Mit Dahlerius und Henderson fliegen wir ständig zwischen London und Berlin hin und her und betrachten so die fast schon unglaubwürdige Szenerie, die Hitler den beiden auferlegt.

Während die Einsatztruppen nach und nach ihre perfiden Pläne für die Mobilmachung ausführen, begibt sich Hitler in seinem kleinen Privatkino auf dem Obersalzberg in die Welt Hollywoods. Mit Walt Disney Filmen entschwebt er seiner eigenen Realität nur um danach noch härter an die Macht seines bald existierenden Weltreiches zu glauben.

Mutig reist J. F. Kennedy durch das noch friedliche Europa und berichtet seinen amerikanischen Studienfreunden von der fehlenden Leichtigkeit und zieht somit erste Schlüsse über Diplomatie in seiner noch anstehenden Politikerkarriere.

Churchill und Chamberlain wissen weder vor noch zurück, während Stalin sich die Hände reibt. Für ihn scheint das alles nur ein großes Spiel zu sein. Er hält Hitler für nicht vertrauensvoll und dennoch schließt er mit ihm Verträge, die ihm Frieden und den Erhalt seiner Landesteile garantieren sollen.

Italien begibt sich auf Sinnsuche und muss feststellen, dass die Deutschen sich als härtere Nuss als erwartet darstellen. Diese zu knacken kann Mussolini nicht gelingen. Er verweigert seinen Eintritt und dies nur mit einem hinterhältigen Kniff.

Doch die Etikette in Berlin wird fleißig gewahrt.

Friederichs schafft dem Leser einen eindrücklichen Einblick in diese Szenerie, die uns Lesern teilweise nur aus Büchern, Fernsehdokumentationen und Kinofilmen bekannt ist.

Berühmte Persönlichkeiten und Widerständler zeigen dem Leser ein Bild auf, das den Machthabern, Führungsriegen und Politikern gegenübersteht.

Ein beeindruckendes Buch über Macht, Einfluss und dem unglaublichen letzten Moment der Hoffnung auf Frieden.

Vielen Dank an den Aufbau-Verlag für das Rezensionsexemplar!

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