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Schlagwort: Flucht (Seite 1 von 27)

Benedikt Gollhardt –
Westwall

Benedikt Gollhardt – Westwall

Julia Gerloff ist anders. Aufgewachsen in einer ländlichen Kommune strebt sie einen anderen Lebenswandel als ihr Vater, Lupo, ein Althippie an.

Als Überläufern will sie bei der Polizei Karriere machen und ist eine begeisterte Schülerin. In der S-Bahn lernt sie Nick kennen, der sie gekonnt um seinen Finger wickelt.

Julia kann es kaum fassen, dass sie endlich in einem normalen Leben ohne Bauwagen, Selbstversorgung und Lagerfeuer angekommen ist. Doch das anerzogene Misstrauen lässt sie stutzen. Sie lässt ihre Beziehungen spielen und überprüft Nick.

Nick, der sich ebenfalls als Aussteiger betrachtet, hat es gewagt, bei Julia einen Schritt zu weit zu gehen.

Mit der Wahrheit im Gepäck löst er eine ungeahnte Lawine aus, der erst im dunklen schwelt und dann gewaltig hervorbricht.

Ausbilder Roosen sorgt sich um Julia. Als diese sich ihm anvertraut, steht der nächste Anschlag bereits bevor.

Ab sofort explodiert die Welt um Julia. Als ihr Vater brutal von einem Jugendlichen ermordet wird, bricht die dunkle ungeahnte Wahrheit aus der Vergangenheit ans Licht.

Für die junge Frau ist nichts mehr so, wie es mal war. Wer ist noch Freund? Wer ist Feind?

Nick, der sich ebenfalls aus den Fängen des Verfassungsschutzes befreit und wiedererwarten seines dortigen Betreuers nun ganz eigene Ziele verfolgt, zieht sich das Netz immer enger zusammen.

Fein webt Benedikt Gollhardt in Westwall die Maschen zusammen. Aus Polizei, Verfassungsschutz und Terroristen wird ein Bündel von Menschen, die der Leser erst sortieren muss.

Wie auch schon Julia fragt sich der Leser ständig, wer ist der Gute und wer der Böse.

Die Szenerie, finster im alten Bunkerviertel rund um den Westwall gelegen, umgibt sich mit alten Nazis, Ewiggestrigen und zu neuem Leben erwachten Terroristinnen.

Zu spät begreift Julia, wer hier den Takt vorgibt und die entscheidenden Fäden in diesem Netz zieht.

Ein Thriller, der aktueller und brisanter nicht sein könnte!

Vielen Dank an Benedikt Gollhardt und an den Penguin-Verlag für das Rezensionsexemplar. Jetzt ist der Westwall definitiv mal ein Wochenendtrip wert.

Thomas Harris –
Cari Mora

Thomas Harris – Cari Mora

Downtown Miami. Hier liegt das Geld bekanntlich im Boden. Noble Häuser, reiche Nachbarschaft und alles nicht ganz so legal, wie es sein sollte.

Cari Mora ist Haussitterin. Sie betreut das riesige Objekt des ermordeten Kartellbosses, nichtsahnend, das sich im verborgenen Keller unter dem Pool ein riesiger Tresor voller Gold befindet.

Hans Peter Schneider beobachtet wie auch andere Kriminelle seit Jahren diese Goldgrube, um im richtigen Moment zuzuschlagen. Er mietet das Haus als Filmproduzent und zieht mit seinen bewaffneten Truppen ein. Cari wird schnell klar, dass es sich bei den neuen Mietern keineswegs um dubiose Filmproduzenten handelt.

Schneider ist hin und hergerissen. Cari verdreht ihm gehörig den Kopf und er beschließt, sie auf seine Liste zu setzten. Als ausgezeichnete Ware bietet er Cari auf dem Weltmarkt als Gewaltfantasie seinen Kunden an, die sich zahlreich überbieten.

Der Einzug von Schneider bleibt natürlich nicht unbemerkt. Die Kartellnachfolge überwacht mit getarnten Gärtnern und vorbeifahrenden Fischkuttern das Haus und auch die von Schneider beauftragte Ausgrabung.

Es kommt zum Aufstand und Schneider, wie auch das Kartell geht über Leichen. Mittendrin Cari, die endlich ihr wahres Gesicht zeigt. Die Vergangenheit als ausgebildete Kämpferin im kolumbianischen Drogenkrieg zeigt sich mehrfach nützlich.

Caris oberstes Ziel, ein ganz normales Leben zu führen, wird mehrfach durchkreuzt. Ihren nächsten Auftrag, das zahlreiche Gold zu bergen wird ein abenteuerliches Geduldsspiel, bei dem sie natürlich wieder alles auf eine Karte setzt.

Die kommende Zeit sieht für Cari rosig aus, alles läuft nach Plan. Bis eines Tages Hans Peter Schneider, der nunmehr weltweit gejagte Serienkiller, seinen nächsten Feldzug startet.

Mit Thomas Harris begibt man sich in eine Welt, die nur aus Drogen, Geld und Erbarmungslosigkeit besteht. Atemlos verfolgt man die Geschichte Caris und hofft inständig, dass diese junge Frau endlich zur Ruhe kommt und ihre eigenen Ziele verwirklichen kann.

Während Hans Peter Schneider das Übel der ganzen Menschheit ins sich trägt, verzeiht man Cari rasch ihre Vergangenheit. Man fühlt sich hingezogen zur Treue Caris und beschließt, wenn auch nur für einen kurzen Moment, dass es auf der Welt auch zwischen Dieben noch ein gesundes Maß an Ehre herrscht. Spannung pur!

Atemlos gelesen von Achim Buch, der es schafft, bis zur letzten Szene im innersten Herzen mit Cari um ein neues Leben zu kämpfen.

Vielen Dank an Thomas Harris, Random House und Lovelybooks für das kostenlose Hörbuch als Rezensionsexemplar!

Yrsa Daley-Ward –
Alles, was passiert ist

Yrsa Daley-Ward

Marcia Daley-Ward reist hochschwanger als Jugendliche endlich nach England. Ihr von ihren Eltern so gottgelobtes Land preist sich jedoch für Marica nicht gerade als neue Heimat an. Im harten Glauben der Adventisten kann Marcia, schwanger und alleinstehend, nicht gerade mit Frömmigkeit punkten.

Die Flucht nach vorn, weg von ihren Eltern bietet ihr immerhin einen Job als Krankenschwester. Dauermüde von endlosen Nachtschichten und herrischen Männern steht die nächste Schwangerschaft an. Yrsa betritt das Licht der Welt unter keinem guten Stern. Ausgesetzt bei den Großeltern scheint kein Entkommen aus dieser trostlosen Ecke Nordenglands.

Yrsa ist einfach zu schön um wahr zu sein. Verlockend lange Beine und ein hübsches Gesicht stehen in Konkurrenz zur Mutter, die innerlich darum fleht, dass ihre kleine Yrsa endlich zu verstehen mag.

Für manche Menschen ist die Schönheit ein Traum, für Yrsa ein Fluch. Sie gerät natürlich auf Abwege, beherrscht Männer mit Sex und anderen Verlockungen.

Geplagt von der Vergangenheit und gepeinigt von der kommenden Zukunft besteht Yrsa ihre härteste Probe. Ihr jüngerer Bruder, hochbegabt und unbeirrbar, braucht ihre Hilfe. Machtlos sieht sich Yrsa die Abstürze ihres „Little Roo“ gnadenlos mit an. Erst nach dem Krebstod der Mutter erkennt sie endlich eine Wendung in ihrem Leben.

Mein Fazit

Yrsa Daley-Ward macht es einem als Leser nicht leicht. Man steckt fest zwischen Lyrik, fieser Wahrheit und dem Traum nach einem Einhorn fest. Was bringt ein solches Leben, wieso erscheint kein edler Retter?

Auswirkungen der Flucht ziehen nicht enden wollende Fäden durch das Leben dieser jungen gnadenlosen Frau, die stets versucht, endlich und endgültig ihr eigenes Leben zu finden.

Der herrschenden männlichen Dominanz ergibt sich Yrsa so oft, dass man inständig als Leserin hofft, dass irgendwann das Erwachen mit einem lauten Paukenschlag kommt. Wer in diesem Buch das Glück sucht, ist verloren. Man gerät in eine Welt von der man hofft, dass diese, wie auch das Einhorn nur ein unglaublich fieser Traum war.

Ich bedanke mich herzlich bei Blumenbar und bei Yrsa Daley-Ward für das kostenlose Rezensionsexemplar.

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