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Schlagwort: Freundschaft (Seite 1 von 42)

Ruth Jones –
Alles begehren

Ruth Jones – Alles begehren

Selten hat mich ein Hörbuch so aufgeregt und nervös gemacht. Mit Ruth Jones betrachten wie drei Beziehungsdramen über fast drei Jahrzehnte.

Die Studentin Kate trifft bei ihrem Nebenjob als Bedienung auf Callum. Der fast zwanzig Jahre ältere Callum weiß nur, dass Kate, die wunderschöne und blutjunge Blondine nur Ärger bedeutet und lässt sich dennoch auf eine Affäre mit ihr ein.

Während er mit einem unsäglich schlechten Gewissen weiterhin seine Ausrutscher vor seiner Ehefrau Belinda und den Kindern verbirgt, steht eines Abends Kate in ihrer Küche. Die Bombe platzt und Callum trifft es hart. Nach kurzer Zeit herrscht Vergebung und Kate scheint Vergangenheit.

Kate hingegen ist mittlerweile eine erfolgreiche Schauspielerin, Mutter und Ehefrau. Ihr Ehemann Matt und die Tochter Talula können der dominanten Kate jedoch nichts wirklich recht machen. Per Zufall trifft sie fast nach zehn Jahren erneut auf Callum und das altbekannte Spiel beginnt erneut. Doch dieses Mal rechnet sie nicht mit Matt.

Ruth Jones führt uns als Hörer aufs Glatteis. Wir lieben die Schwachen. Hoffen und Bangen mit Belinda und Matt. Gerne würden wir Matts Freundin Hattie endlich wachrütteln und Kate und Adam am liebsten ausradieren. Die Emotionen kochen hoch, kopfschüttelnd begleiten wir Matt bei seinem Überlebenskampf und der Suche nach der wahren Liebe.

Mit Kate schafft Jones  einen Charakter, den man ausgiebig hassen kann, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Man leidet großzügig mit den Zurückgebliebenen und denen, für die Liebe stets in weiter Ferne lag.

Julia Nachtmann erzählt die Geschichte dieser drei so unterschiedlichen Pärchen so real, dass man sich diese sechs Menschen ohne große Mühe auch als Freunde oder unmittelbare Bekannte vorstellen kann. Kates Leben erhält durch Nachtmanns Stimme aber auch, zumindest am Schluss, ein wenig Mitleid. Man ist sich im Klaren darüber, was in dieser so harmlos wirkenden jungen Frau steckt und mit wieviel Berechnung sie ihr Leben und ganz besonders das der Anderen führt.

Petra Ivanov –
Tote Träume

Petra Ivanov – Tote Träume

Der zweite Fall von Regina Flint und Bruno Cavalli führt uns ins direkte Umland von Zürich. In einem Asylheim findet die örtliche Feuerwehr vier verkohlte Leichen. Nach der Obduktion stellt sich heraus, dass der tote Sudanese nicht dem Brand zu Opfer fiel.

Cavalli, frisch aus Wiesbaden zurück übernimmt den Fall. Regina, die die schon lange vergangene Beziehung und die ständige Untreue Cavallis noch immer nicht überwunden hat, stürzt sich Hals über Kopf in eine neue Beziehung.

Für Cavalli beginnt nun eine Zeit des Umbruchs. Sein Sohn Chris steht unmittelbar mit dem Verbrechen in Zusammenhang. Seine Beziehung zu Regina wird wieder enger und seine Exfrau gibt endgültig auf.

Regina übergibt die Ermittlungen an Pilecki und Fahrni, wohlwissend, dass Cavalli mit seiner ganz eigenen Art schon die Spur des Brandstifters und Mörders aufgenommen hat.

Mit Petra Ivanov, deren Roman bereits 2006 erschien nicht wirklich in die Vergangenheit. Das Thema Asyl begleitet uns heute mehr denn je. Die akribische Recherche machen es dem Leser leicht, die gängigen Verfahren und die herrschende Bürokratie zu verstehen. Ein Verständnis für die Fluchtursachen zu ergründen, fällt auch den meisten Menschen in der heutigen Zeit noch schwer und Angriffe auf die Schwächsten unserer Bevölkerung scheinen leicht und scheinbar auch zu einfach zu sein.

Mit „Tote Träume“ begeben wir uns auf die Suche nach einer Erklärung für diesen unhaltbaren Zustand. Wir betrachten zwiespältig die Hilfsbereitschaft des Pfarrers, das scheinbar über natürliche Menschenliebe hinauszugehen scheint und hoffen mit Chris, dass er sich seiner Ahnen klar wird.

Cavallis Herangehensweise legt nahe, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft ein Leben lang auf der Suche nach einem wahren Zuhause, einer Heimat sind nur um festzustellen, dass die Heimat eines Menschen nicht lokal bestimmt werden sondern wahrscheinlich einzig im Herzen der Menschen selbst liegt.

Die Reihe beginnt mit dem Teil „Fremde Hände„. Der nächste Teil ist schon bestellt und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Regina Flint und Bruno Cavalli.

Ulrike Dömkes –
Die Verschwundenen vom Gare d’Austerlitz

Ulrike Dömkes – Die Verschwundenen vom Gare D´Austerlitz

Eduard, der ruhige besonnene Bäcker kommt so richtig in Schwung, als er von seinen Kollegen einen Gutschein für einen Tango-Kurs zum Geburtstag erhält.

Sein Leben ändert sich Tag für Tag zum Positiven. Er sprüht vor Energie, überzeugt sogar seine Familie mit der Eröffnung eines Tanzcafes. Wäre da nicht die geheimnisvolle Frau, die Eduard in der Pariser Metro regelmäßig den Kopf verdreht.

Der Tango bringt ihm neue Freundschaften, aber auch diese gnadenlose Sehnsucht nach dieser unbekannten Frau in der Metro.

Die Unbekannte zieht ihn magisch in ihren Bann. Umspielt von klassischer Tangomusik beginnt für Eduard ein inneres Zerwürfnis.

Als Sadie, die junge Studentin, eines Abends auf dem Metrogleis ein altes Tagebuch findet, ahnt sie noch nicht, dass die Geschichte Eduards auch ihr Leben gewaltig verändern wird.

Sadie begibt sich auf die Suche nach Eduard und damit auch in die Welt des Tangos, der wahren Liebe und einem ihr so ganz unbekannten Paris.

Der Roman von Ulrike Dömkes macht einem tatsächlich Lust auf ein bisschen mehr Musik und Spontanität im Leben. In Sadies geschaffenen „Ermittlerteam“ rund um Eduard und der mysteriösen Tangotänzerin findet man sich selbst wieder und hofft natürlich auf ein logisches und klares Ende.

Dömkes jedoch verblüfft mit ständigen Wechseln und lässt den Leser dieses übermächtig erscheinende Paris von einer ganz andern Seite betrachten. Es macht mir die Pariser ein klein wenig sympathischer als sie es mir bisher waren. Ich bedanke mich herzlich bei Ulrike Dömkes für das Rezensionsexemplar. Es war mir ein Vergnügen, in die Pariser Unterwelt hinabzusteigen.

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