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Schlagwort: Hoffnung (Seite 1 von 118)

Jørn Lier Horst –
Wisting und der Tag der Vermissten

Jørn Lier Horst – Wisting und der Tag der Vermissten

Katharina Haugen wird seit über zwanzig Jahren vermisst. Kurz vor deren Jahrestag zieht William Wisting die alten Ermittlungsakten aus seinem Kleiderschrank und hofft inständig auf eine Eingebung und um Aufklärung.

Mit zum Ritual gehört das jährliche Treffen mit dem hinterbliebenen Ehemann Martin Haugen, doch den sucht Wisting dieses Jahr vergeblich.

Wisting, der sich hauptsächlich mit alten ungeklärten Fällen beschäftigt sieht sich plötzlich in einer Zwickmühle. Er traut sich selbst und seinen Überzeugungen nicht mehr, als Adrian Stiller scheinbar zufällig mit der neu gegründeten EU-Gruppe einen weiteren Vermisstenfall einer jungen Schülerin in Wistings Revier wieder aufrollt.

Schnell wird klar, dass Stiller ein ganz eigenes Ziel verfolgt und Wisting ihm auf die Schliche kommt. Beide ergänzen sich sodann und dennoch hat jeder ein ganz anderes Ziel vor Augen. Als Stiller auch noch Wistings Tochter als Journalistin mit einer Exklusiv-Story auf die vermisste Schülerin ansetzt, sind die Fronten verhärtet.

Horst erzählt über drei Erzählstränge hinweg über diese beiden vermissten jungen Frauen. Während Stiller, von Schlaflosigkeit und Albträumen geplagt, gewagte Ermittlungsmethoden bevorzugt, versucht Wisting sich von einer tief in seinem Inneren feststeckenden Theorie zu befreien. Die beiden Ermittlungsarten sind äußerlich zwar extrem unterschiedlich, aber im Kern treffen beide mit ihren Strategien ins Schwarze.

Line, zum Spielball der Polizei auserkoren, hat hingegen eine ganz andere Art, Dinge zu betrachten. Sie hinterfragt weitaus mehr den Menschen, egal ob Opfer oder Täter, was ihrem Ermittlungsstrang eine ganz andere Richtung gibt.

Mein Fazit

Es handelt sich hierbei um den siebten Band der Wisting-Ermittlungsreihe und dennoch lässt er sich völlig unabhängig von den vorherigen Serienteilen lesen.

Obwohl Horst seine Ermittler mit unterschiedlichen Ansätzen durch die Vermisstenfälle jagt, fehlte mir am Ende ein wenig die Spannung. Die innere Unruhe, die Stiller wie auch Wisting am Anfang plagten, verlor sich zum Ende hin. Ich fand keinen wirklichen Zugang zu William Wisting, was vielleicht aber daran lag, das es sich um den siebten Band der Krimireihe handelte und man als Leser somit den Einstieg verpasst hat.

Vielen Dank an Piper, an Jørn Lier Horst und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar.

Bridget Collins –
Die verborgenen Stimmen der Bücher

Bridget Collins - Die verborgenen Stimmen der Bücher
Bridget Collins – Die verborgenen Stimmen der Bücher

Für Emmet Farmer nimmt das Leben eine bittere Wendung. Nach langer Krankheit noch nicht ganz genesen hilft er mehr schlecht als recht auf der Farm seiner Eltern.

Eines Tages erhalten diese einen Brief, der sie dazu auffordert, das Emmet in die Lehre einer Buchbinderin gehen soll. Lange schon hatten diese geahnt, dass Emmets Krankheit nicht normal und schon gar nicht heilbar sei.

Emmet, der sich erst überrascht, aber dann hoffnungslos mit seinem Schicksal abfindet, macht sich auf den Weg zu seinem neuen Schicksal.

Die Buchbinderin kommt ihm Anfangs wie eine alte Hexe vor. Lebt sie doch fernab direkt in einem Moor in einem urigen kalten Haus. Sie bringt ihm nach und nach ein paar Details des Buchbindens bei, doch verbirgt dabei unübersehbar den Zugang zu ihrer eigenen Werkstatt und des dahinter gelegenen Gewölbes.

Emmet, der sich so langsam nicht mehr mit den paar Handgriffen täglich zufrieden geben will, drängt nach mehr Wissen.

Erst als die Buchbinderin unverhofft stirbt und ein alter dubioser Kollege beginnt, den Keller und Teile des Gewölbes leerzuräumen, ahnt Emmet, das noch viel mehr hinter seiner Tätigkeit steckt.

Als nunmehr neuer Lehrling in der Stadt wird Emmet gleich zu seinem ersten Einsatz geschickt und lernt schneller als erhofft, seine Fähigkeiten einzusetzen.

Dunkle Ahnungen befallen ihn, seine Krankheit und seine Fähigkeit sieht er als Fluch. Bücher dienen den Menschen als Flucht in das Vergessen und stehen geradezu hoch in Mode.

Als Emmet ausgerechnet bei seinem ersten Auftrag erneut auf den ihn scheinbar schon bekannten Lucian Darnay trifft, beginnt er langsam zu verstehen.

Von nun an kämpft Emmet um seine eigene Geschichte, die in irgendeinem dieser Bücher geschrieben steht.

Bridget Collins überzeugt mit ihrer Geschichte, die ebenfalls gebunden vor mir liegt. Die Erinnerungen, die in Bücher gefesselt, verborgen bleiben sollen bringen viel Leid, aber auch viel Liebe mit sich.

Die zarten Bande, die hier in dieser Liebesgeschichte aufkeimen, werden erst mit der ganzen Bedeutung dieser gebundenen Bücher sichtbar und stehen für Aufrichtigkeit, Hoffnung und wahre Liebe.

Besonders hübsch sind der Einband des Buches und der blaugefärbte Schnitt zu erwähnen, die Emmets Buchbindekünsten eine wahre Ehre machen.

Hauke Friederichs –
Funkenflug

Hauke Friederichs – Funkenflug

August 1939 – Der Sommer, bevor der Krieg begann.

Während der Sommer über das Land zieht und die Menschen ihrer alltäglichen Beschäftigung nachgehen, plant Hitler bis ins kleinste Detail den Überfall auf Danzig. Von Frieden keine Spur.

Auf dem Obersalzberg geben sich die Diplomaten die Tür in die Hand.

Mit Hauke Friederichs begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise durch den August 1939 und erleben mit, wie sich ein machtgieriger Despot trotz zahlreicher Bemühungen nicht mehr aufhalten lässt.

Das Propagandaministerium zeigt und Tag für Tag, was dem deutschen Volk wiederfahren ist und dass ein Rückschlag unabkömmlich sein wird, während die freie Presse um Klarstellung bemüht ist.

Tageweise erleben wir die Welt aus Sicht einer Sophie Scholl, die von ihrer Jugend geprägt die Hoffnung auf den Frieden bis auf ihren letzten Tag nicht aufgibt.

Mit Dahlerius und Henderson fliegen wir ständig zwischen London und Berlin hin und her und betrachten so die fast schon unglaubwürdige Szenerie, die Hitler den beiden auferlegt.

Während die Einsatztruppen nach und nach ihre perfiden Pläne für die Mobilmachung ausführen, begibt sich Hitler in seinem kleinen Privatkino auf dem Obersalzberg in die Welt Hollywoods. Mit Walt Disney Filmen entschwebt er seiner eigenen Realität nur um danach noch härter an die Macht seines bald existierenden Weltreiches zu glauben.

Mutig reist J. F. Kennedy durch das noch friedliche Europa und berichtet seinen amerikanischen Studienfreunden von der fehlenden Leichtigkeit und zieht somit erste Schlüsse über Diplomatie in seiner noch anstehenden Politikerkarriere.

Churchill und Chamberlain wissen weder vor noch zurück, während Stalin sich die Hände reibt. Für ihn scheint das alles nur ein großes Spiel zu sein. Er hält Hitler für nicht vertrauensvoll und dennoch schließt er mit ihm Verträge, die ihm Frieden und den Erhalt seiner Landesteile garantieren sollen.

Italien begibt sich auf Sinnsuche und muss feststellen, dass die Deutschen sich als härtere Nuss als erwartet darstellen. Diese zu knacken kann Mussolini nicht gelingen. Er verweigert seinen Eintritt und dies nur mit einem hinterhältigen Kniff.

Doch die Etikette in Berlin wird fleißig gewahrt.

Friederichs schafft dem Leser einen eindrücklichen Einblick in diese Szenerie, die uns Lesern teilweise nur aus Büchern, Fernsehdokumentationen und Kinofilmen bekannt ist.

Berühmte Persönlichkeiten und Widerständler zeigen dem Leser ein Bild auf, das den Machthabern, Führungsriegen und Politikern gegenübersteht.

Ein beeindruckendes Buch über Macht, Einfluss und dem unglaublichen letzten Moment der Hoffnung auf Frieden.

Vielen Dank an den Aufbau-Verlag für das Rezensionsexemplar!

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