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Schlagwort: Krieg (Seite 1 von 26)

Frank Maria Reifenberg –
Wo die Freiheit wächst

Frank Maria Reifenberg – Wo die Freiheit wächst

Funkenflug“ und der Sommer 1939 erzählt den Beginn des Kriegs. Nahtlos geht es mit den Edelweißpiraten weiter, die in einem Briefwechsel aus ihrem Leben während des Krieges erzählen.

Leni und ihre Geschwister erleben mit der verwitweten Mutter den Krieg in Köln hautnah.

Im Jahr 1942 wird Lenis Bruder Franz an die Front nach Osten geschickt. Stalin leistet bissigen Widerstand. Röschen, die beste Freundin von Leni wird mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder auf einen Bauernhof zur Unterstützung der Ernte verfrachtet.

Beide halten untereinander Kontakt per Briefpost, Telegramm und mehr schlecht als Recht mit der Feldpost nach Russland.

Anfänglich erlebt Leni den Krieg nicht als eine wirkliche Einbuße in ihrem Leben. Die Lebensmittel sind zwar rationiert, aber dank dem Schrebergarten von den Großeltern kommt man gut zurecht.

Während die Mutter sich mit ihrem neuen Freund, einem SA-treuen Angestellten bei der Stadt einlässt, gelingt es Leni über den doch schon frühen Tod ihres Vaters klar zu kommen.

Röschen lernt einen hübschen ehemaligen Adligen kennen und Leni freundet sich mit Erich an.

Erich, kein Freund der HJ und der BDM lebt sein ganz eigenes Leben und hinterfragt.  Leni, die ebenfalls mit offenen Augen durch die Welt geht, hinterfragt ebenfalls. Aus Freundschaft wird Liebe.

Doch dann hält der Krieg auch Einzug in Köln. Die nächtlichen Luftangriffe der Engländer bringen Leid, Not und den Tod.

Um Leni herum sterben Freunde, Bekannte und Verwandte. Franz wird hart unter Beschuss genommen und zweifelt an seinem Tun, während Kalli, der jüngere Bruder eine steile Karriere in der HJ hinlegt.

Leni ist entsetzt und rebelliert, auch dank Erich immer lauter.

Frank Maria Reifenberg hat Lenis Geschichte in einen Briefroman gepackt. Man erhält einen beeindruckenden Einblick in die unterschiedlichen Leben, ob an der Front oder in der zerbombten Stadt Köln.

Mit viel Frohsinn erträgt Leni das Leid der gesamten Familie und steht als junge Frau, gepackt von Zwiespälten trotzdem mitten im Leben.

Mutig hinterfragt sie und schreibt offen über ihre Ängste, Erkenntnisse und Verdächtigungen.

Während sich Röschen und Franz um Lenis Mut sorgen, hat Kalle hingegen seine ganz eigenen Entscheidungen getroffen.

Reifenberg schildert das Leben der Jugendlichen während der Kriegszeit. Die ständige Angst, ob an der Front oder bei Luftangriffen in der heimischen Wohnung. Nur scheinbar gewöhnen sich die Kinder und Jugendliche an diese Situationen. Die Rebellion beginnt leise und still und weitet sich dann über Köln hinaus. Mit Flugblättern, Einbrüchen und Diebstählen wehren sich die Edelweißpiraten gegen die Diktatur Hitlers. Bewachung, Diskreditierung und Bespitzelung stehen an der Tagesordnung und alle Mitglieder wissen, was ihnen droht.

Reifenbergs Briefroman hinterlässt einen Schatten. Dieser ist richtig und gut und soll uns jeden Tag vor Augen führen, wie einfach und friedlich unser Leben ist und wie schnell sich das auch ändern kann.

Vielen Dank an arsEdition und an Frank Maria Reifenberg für das Rezensionsexemplar.

Hauke Friederichs –
Funkenflug

Hauke Friederichs – Funkenflug

August 1939 – Der Sommer, bevor der Krieg begann.

Während der Sommer über das Land zieht und die Menschen ihrer alltäglichen Beschäftigung nachgehen, plant Hitler bis ins kleinste Detail den Überfall auf Danzig. Von Frieden keine Spur.

Auf dem Obersalzberg geben sich die Diplomaten die Tür in die Hand.

Mit Hauke Friederichs begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise durch den August 1939 und erleben mit, wie sich ein machtgieriger Despot trotz zahlreicher Bemühungen nicht mehr aufhalten lässt.

Das Propagandaministerium zeigt und Tag für Tag, was dem deutschen Volk wiederfahren ist und dass ein Rückschlag unabkömmlich sein wird, während die freie Presse um Klarstellung bemüht ist.

Tageweise erleben wir die Welt aus Sicht einer Sophie Scholl, die von ihrer Jugend geprägt die Hoffnung auf den Frieden bis auf ihren letzten Tag nicht aufgibt.

Mit Dahlerius und Henderson fliegen wir ständig zwischen London und Berlin hin und her und betrachten so die fast schon unglaubwürdige Szenerie, die Hitler den beiden auferlegt.

Während die Einsatztruppen nach und nach ihre perfiden Pläne für die Mobilmachung ausführen, begibt sich Hitler in seinem kleinen Privatkino auf dem Obersalzberg in die Welt Hollywoods. Mit Walt Disney Filmen entschwebt er seiner eigenen Realität nur um danach noch härter an die Macht seines bald existierenden Weltreiches zu glauben.

Mutig reist J. F. Kennedy durch das noch friedliche Europa und berichtet seinen amerikanischen Studienfreunden von der fehlenden Leichtigkeit und zieht somit erste Schlüsse über Diplomatie in seiner noch anstehenden Politikerkarriere.

Churchill und Chamberlain wissen weder vor noch zurück, während Stalin sich die Hände reibt. Für ihn scheint das alles nur ein großes Spiel zu sein. Er hält Hitler für nicht vertrauensvoll und dennoch schließt er mit ihm Verträge, die ihm Frieden und den Erhalt seiner Landesteile garantieren sollen.

Italien begibt sich auf Sinnsuche und muss feststellen, dass die Deutschen sich als härtere Nuss als erwartet darstellen. Diese zu knacken kann Mussolini nicht gelingen. Er verweigert seinen Eintritt und dies nur mit einem hinterhältigen Kniff.

Doch die Etikette in Berlin wird fleißig gewahrt.

Friederichs schafft dem Leser einen eindrücklichen Einblick in diese Szenerie, die uns Lesern teilweise nur aus Büchern, Fernsehdokumentationen und Kinofilmen bekannt ist.

Berühmte Persönlichkeiten und Widerständler zeigen dem Leser ein Bild auf, das den Machthabern, Führungsriegen und Politikern gegenübersteht.

Ein beeindruckendes Buch über Macht, Einfluss und dem unglaublichen letzten Moment der Hoffnung auf Frieden.

Vielen Dank an den Aufbau-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Benedikt Gollhardt –
Westwall

Benedikt Gollhardt – Westwall

Julia Gerloff ist anders. Aufgewachsen in einer ländlichen Kommune strebt sie einen anderen Lebenswandel als ihr Vater, Lupo, ein Althippie an.

Als Überläufern will sie bei der Polizei Karriere machen und ist eine begeisterte Schülerin. In der S-Bahn lernt sie Nick kennen, der sie gekonnt um seinen Finger wickelt.

Julia kann es kaum fassen, dass sie endlich in einem normalen Leben ohne Bauwagen, Selbstversorgung und Lagerfeuer angekommen ist. Doch das anerzogene Misstrauen lässt sie stutzen. Sie lässt ihre Beziehungen spielen und überprüft Nick.

Nick, der sich ebenfalls als Aussteiger betrachtet, hat es gewagt, bei Julia einen Schritt zu weit zu gehen.

Mit der Wahrheit im Gepäck löst er eine ungeahnte Lawine aus, der erst im dunklen schwelt und dann gewaltig hervorbricht.

Ausbilder Roosen sorgt sich um Julia. Als diese sich ihm anvertraut, steht der nächste Anschlag bereits bevor.

Ab sofort explodiert die Welt um Julia. Als ihr Vater brutal von einem Jugendlichen ermordet wird, bricht die dunkle ungeahnte Wahrheit aus der Vergangenheit ans Licht.

Für die junge Frau ist nichts mehr so, wie es mal war. Wer ist noch Freund? Wer ist Feind?

Nick, der sich ebenfalls aus den Fängen des Verfassungsschutzes befreit und wiedererwarten seines dortigen Betreuers nun ganz eigene Ziele verfolgt, zieht sich das Netz immer enger zusammen.

Fein webt Benedikt Gollhardt in Westwall die Maschen zusammen. Aus Polizei, Verfassungsschutz und Terroristen wird ein Bündel von Menschen, die der Leser erst sortieren muss.

Wie auch schon Julia fragt sich der Leser ständig, wer ist der Gute und wer der Böse.

Die Szenerie, finster im alten Bunkerviertel rund um den Westwall gelegen, umgibt sich mit alten Nazis, Ewiggestrigen und zu neuem Leben erwachten Terroristinnen.

Zu spät begreift Julia, wer hier den Takt vorgibt und die entscheidenden Fäden in diesem Netz zieht.

Ein Thriller, der aktueller und brisanter nicht sein könnte!

Vielen Dank an Benedikt Gollhardt und an den Penguin-Verlag für das Rezensionsexemplar. Jetzt ist der Westwall definitiv mal ein Wochenendtrip wert.

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