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Kategorie: Krimi (Seite 1 von 155)

Jørn Lier Horst –
Wisting und der Tag der Vermissten

Jørn Lier Horst – Wisting und der Tag der Vermissten

Katharina Haugen wird seit über zwanzig Jahren vermisst. Kurz vor deren Jahrestag zieht William Wisting die alten Ermittlungsakten aus seinem Kleiderschrank und hofft inständig auf eine Eingebung und um Aufklärung.

Mit zum Ritual gehört das jährliche Treffen mit dem hinterbliebenen Ehemann Martin Haugen, doch den sucht Wisting dieses Jahr vergeblich.

Wisting, der sich hauptsächlich mit alten ungeklärten Fällen beschäftigt sieht sich plötzlich in einer Zwickmühle. Er traut sich selbst und seinen Überzeugungen nicht mehr, als Adrian Stiller scheinbar zufällig mit der neu gegründeten EU-Gruppe einen weiteren Vermisstenfall einer jungen Schülerin in Wistings Revier wieder aufrollt.

Schnell wird klar, dass Stiller ein ganz eigenes Ziel verfolgt und Wisting ihm auf die Schliche kommt. Beide ergänzen sich sodann und dennoch hat jeder ein ganz anderes Ziel vor Augen. Als Stiller auch noch Wistings Tochter als Journalistin mit einer Exklusiv-Story auf die vermisste Schülerin ansetzt, sind die Fronten verhärtet.

Horst erzählt über drei Erzählstränge hinweg über diese beiden vermissten jungen Frauen. Während Stiller, von Schlaflosigkeit und Albträumen geplagt, gewagte Ermittlungsmethoden bevorzugt, versucht Wisting sich von einer tief in seinem Inneren feststeckenden Theorie zu befreien. Die beiden Ermittlungsarten sind äußerlich zwar extrem unterschiedlich, aber im Kern treffen beide mit ihren Strategien ins Schwarze.

Line, zum Spielball der Polizei auserkoren, hat hingegen eine ganz andere Art, Dinge zu betrachten. Sie hinterfragt weitaus mehr den Menschen, egal ob Opfer oder Täter, was ihrem Ermittlungsstrang eine ganz andere Richtung gibt.

Mein Fazit

Es handelt sich hierbei um den siebten Band der Wisting-Ermittlungsreihe und dennoch lässt er sich völlig unabhängig von den vorherigen Serienteilen lesen.

Obwohl Horst seine Ermittler mit unterschiedlichen Ansätzen durch die Vermisstenfälle jagt, fehlte mir am Ende ein wenig die Spannung. Die innere Unruhe, die Stiller wie auch Wisting am Anfang plagten, verlor sich zum Ende hin. Ich fand keinen wirklichen Zugang zu William Wisting, was vielleicht aber daran lag, das es sich um den siebten Band der Krimireihe handelte und man als Leser somit den Einstieg verpasst hat.

Vielen Dank an Piper, an Jørn Lier Horst und an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar.

Stuart Turton –
Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle

Stuart Turton – Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle

Ein heruntergekommenes Gut irgendwo in England und eine Familie, die dort ein letztes Mal eine rauschende Ballnacht inszenieren will. So weit, so gut! Doch was wäre, wenn während der rauschenden Ballnacht Evelyn, die Tochter der Veranstalter zu Tode kommt?

Alles klar, man vermutet einen klassischen britischen Who-Done-It, aber weit gefehlt mit dieser Annahme.

Es stellt sich heraus, dass Evelyn nicht nur einmal zu Tode kommt. Sie wird genau sieben Mal sterben und ihr Mörder muss gerächt werden.

Diese leidvolle Aufgabe fällt auf Aiden, der sich in einer anfänglich dubiosen Zeitschleife zu befinden scheint. Er hüpft jeden Tag in einen neuen Wirt um dem Mörder das Handwerk zu legen. Doch seine Wirte sind enge Vertraute der Familie Hardcastle und machen ihm das Ermitteln ganz schön schwer.

Wer ist hier Feind, wer ist ein Freund? Die Frage stellt sich Aiden während seiner Reisen mehrfach und muss feststellen, dass hier der Mord an Evelyn Hardcastle noch das Geringste seiner derzeitigen Probleme darstellt. Auf diesem riesigen Spielbrett an Eitelkeiten, Geheimnissen und abgrundtiefen Rachegelüsten ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten.

Die Gäste und Wirte entpuppen sich als üble Persönlichkeiten, lüsterne Haudegen und Drogendealer der ganz besonderen Art.

Tag um Tag stellt sich für den Leser die Frage, nach wessen Regeln hier gespielt wird. Fest steht, dass Aiden nicht der einzige „Ermittler“ ist. Es stehen noch weitere Schachfiguren auf dem Brett und auch für die gibt es nur einen Ausweg. Der Mörder Evelyns ist der Hauptgewinn, wären da nicht noch mordende Lakaien, ein mystisch verklemmter Pestdoktor und ein Maskenball, der sogar auf Downton Abbey Eindruck geschunden hätte.

Krimi oder Fantasy?

Der als klassischer Krimi getarnte Irrgarten schafft es dennoch, mit seinen ausgezeichnet skizzierten  Charakteren, hauchfeiner Ironie und einem extremen Überlebenswillen, wahrhaftig zu überzeugen.

Dem Leser wird zwar etwas Hartnäckigkeit, was das Entschlüsseln von Rätseln betrifft, abverlangt. Jedoch trägt dies zur Spannung nur noch mehr bei und fordert wirklich bis zur letzten Seite des Rätsels volle Aufmerksamkeit!

Vielen Dank an Lovelybooks für die Leserunde und an den Tropenverlag für das Rezensionsexemplar!

Petra Ivanov –
Die Entführung

Petra Ivanov – Entführung

Pal Palushi liegt sein neues Mandat als Strafverteidiger schwer im Magen. Der junge Muslim soll die junge Lara Blum entführt haben und schweigt seit seiner Inhaftierung.

Während Pal versucht, sich aus den Fängen der Ermittler zu ziehen und eine Beziehung zum Wohl der Entführten zu seinem Klienten aufzubauen, kehrt seine Freundin Jasmin Meyer aus dem fernen Thailand zurück.

Ihr Versuch, die zurückliegende dreimonatige eigene Entführung zu verarbeiten gelang ihr zumindest in Thailand außergewöhnlich gut. Doch jetzt zurück in der Schweizer Realität kehren die bösen Dämonen zurück. Pal, sichtlich gerührt von dem Angebot der Unterstützung, versucht jedoch, das Schlimmste von Jasmin fernzuhalten.

Von Lara Blum hat die Polizei immer noch keine Spur und nur dank Pals Eingreifen und Jasmins Zuarbeit als ehemalige Polizistin führt endlich ein scheinbar kleiner Wink alle gemeinsam ins Herz der muslimischen Gemeinde.

Nichtsahnend hat sich Pal mit der Staatsanwältin eine neue Feindin gemacht, die auf allen Fronten gleichzeitig zu kämpfen scheint. Doch offener Krieg mit der Polizei kommt für den Exkosovaren Pal nicht in Frage.

Als Rinor, Pals Neffe und Patenkind sich immer mehr zurückzieht, hängt auch in der eigenen Familie der Haussegen schief. Doch Rinor hat nicht wieder erwarten eine Freundin gefunden, sondern ist in die Fänge einer islamistischen Splittergruppe geraten.

Pal wird von allen Seiten beschossen und Jasmin unterstützt ihn, auch mit der Hilfe ihrer alten Kollegen vom Leib und Leben wo sie nur kann.

Die Uhr für Lara Blum tickt und die Zeit wird knapp. Jasmin möchte unter keinen Umständen, dass ein Mensch ihr eigenes Schicksal erneut erleben muss.

Petra Ivanov schafft es wie immer gleich auf Anhieb, dass man ihre Hauptprotagonisten einfach mögen muss. Während ich mit Jasmin bereits in den Bänden mit Flint & Cavalli Bekanntschaft gemacht habe, zeigt sich Pal als Mensch, der sichtlich um das Wohl seiner Mandanten bemüht ist. Ob schuldig oder nicht, das spielt für Pal keine Rolle.

Der Zwiespalt der integrierten Familien zeigt sich gut in der Art und Weise, wie stark auch Pals Familie noch von den Zwängen aus der alten Heimat verfolgt wird. Es entbrennt ein oberflächlicher Krieg zwischen den Gläubigen und den Ungläubigen und dieser zieht eine Spur von Hasspredigern, Extremisten und Splittergruppen mit sich, die unsere offene Kultur mit Argwohn und mit strengem Glauben und alten Verhaltensmustern entgegnen.

Ich bedanke mich bei Literaturtest sowie bei Petra Ivanov für den vierten Teil von Meyer & Palushi.

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