tinaliestvor

books and more

Schlagwort: Selbstmord (Seite 1 von 7)

Stanley Crawford –
Gascoyne

Stanley Crawford – Gascoyne

Gascoyne – Surreal, expressionistisch und schräg! Dieser rote Sticker auf der Rückseite des Buches verspricht so einiges!

Gascoyne gerät aus reiner Neugierde und natürlich auch wirtschaftlichem Interesse mitten hinein in einen Mord. Auf dem riesigen Anwesen seines Geschäftspartners und Konkurrenten Roughah wird eine ganz große Show abgezogen. Gascoyne schleicht sich in das Innere des Haupthauses und trifft dort auf einen Unbekannten in einem Faultierkostüm, eine hocherfreute Witwe, die trauernde Geliebte und den Chauffeur Dimitri. Die großartige Vorstellung wird allerdings davon getoppt, dass der zuständige Sherriff O`Mallollolly den Mord als simplen Selbstmord gleich für erledigt erklärt.

Während Gascoyne von seinem Handy aus weiter seine mehr oder weniger offiziellen Geschäfte vorwärts treibt und diverse Ermittlungen in Bezug auf den Toten an seine rechte Hand Chester delegiert, wird er von ständig wechselnden Porschefahrern verfolgt.

Scheinbar ist ihm ein Stich ins Wespennest gelungen und er kann es kaum erwarten, dass seine Geschäfte davon profitieren. Ständig auf Achse regiert er mit harter Hand sein eigenes Imperium.

Durch seine Überheblichkeit, sein übertriebenes Selbstvertrauen und seine ganz besondere Einstellung zu Problemlösungen begreift er erst viel zu spät, dass es tatsächlich jemand gewagt hat, den Spieß umzudrehen.

Stanley Crawford hat mit Gascoyne einem Autonarren eine eigene kleine Welt geschaffen. Dieses kleine von Wohlstand, Macht und Gier geprägte Stückchen Land findet überall auf dieser Welt ein Zuhause. Er beleuchtet den „American Dream“ mit rotzigem Sarkasmus, einem guten Schuss Ironie und einer Arroganz, die seinesgleichen sucht.

Dem Leser wird nach und nach klar, wie diese kleine selbstgestrickte Welt funktioniert. Mit Gascoyne begibt man sich auf einen üblen Roadtrip in schönen alten Klassikern nur um festzustellen, dass diese ganze Fiktion leider schon zu unserer Realität geworden ist.

Wer also auf Roadmovies, skurrile Typen, amerikanische Autos und eine fiese Story steht, der ist bei Stanley Crawford genau richtig!

Danke an den Louisoder Verlag für das Rezensionsexemplar.

Die im Artikel hinterlegten Verlinkungen, bzw. die Rezensionen beziehen sich auf Produkte, die ich nicht selbst erstanden habe. Sie wurden mir von den Herstellern bzw. Verlagen oder Autoren zur Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt! #Werbung, Rezension

Lutz Wilhelm Kellerhoff –
Die Tote im Wannsee

Lutz Wilhelm Kellerhoff – Die Tote im Wannsee

Berlin im Jahr 1968. Es geht drunter und drüber. Nach dem Tod von Benno Ohnesorg herrscht Chaos in der Stadt und die Polizei ist machtlos.

Als eine junge Frau mit mehrfachen Stichwunden am Wannseeufer angeschwemmt wird, tritt Kommissar Heller auf den Plan. Gemeinsam mit seinem verhassten Kollegen Doll soll er dem Mord so schnell es geht und natürlich ohne großes Aufsehen aufklären.

Die Spur führt Heller anfangs in die radikale Studentenszene und danach direkt zum Ehemann der Toten.

Dieser spielt Katz und Maus mit mehreren Parteien und endet erhängt in Untersuchungshaft.

Der Abschiedsbrief und das Verhalten seines Kollegen Doll lässt Heller erneut zweifeln. Ihm wird schnell klar, dass er als Untergebener seiner Chefs und als Opfer mehrerer Gegenparteien zum perfekten Spielball der herrschenden Stimmung geworden ist.

Doch Heller lässt sich nicht abschrecken. Dubiose Beförderungsangebote, Mordanschläge, dunkle Familiengeheimnisse und Liebesgeständnisse bringen nur noch mehr dazu, den Fall zu lösen.

Das Autorentrio Lutz, Wilhelm und Kellerhoff lassen Kommissar Heller noch nicht mal seinen Kharman Ghia. Sein komplettes Leben wird im wahrsten Sinne des Wortes in Schutt und Asche gelegt. Die dunkle Kriegsvergangenheit des Vaters und der scheinbare Unfalltod seiner Mutter lastet schwer auf seinen Schultern. Bestechliche Kollegen kann er noch weniger ertragen wie die Lügen seiner Verhörgegner.

In Kommissar Heller findet man alles, was die Menschen damals bewegt hat. Die Hoffnung auf ein friedliches Leben, ein Ausweg aus dem politischen Machtspiel durch die Studentenrevolte und der großen Sehnsucht nach Liebe und einer Familie, um die es sich zu kämpfen lohnt!

Mit „Die Tote im Wannsee“ ist es dem Autorentrio ausgezeichnet gelungen, für die Jahrgänge danach einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Der Zwiespalt der damaligen Generation zwischen Ost und West hat bis heute noch kein Ende gefunden.

Vielen Dank an Literaturtest für das Rezensionsexemplar!

Die im Artikel hinterlegten Verlinkungen und Rezensionen beziehen sich auf Produkte, die ich nicht selbst erstanden habe. Sie wurden mir von den Herstellern, Verlagen oder Autoren zur Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt! #Werbung, Rezension

 

Juli Zeh –
Leere Herzen

Juli Zeh - Leere Herzen

Juli Zeh – Leere Herzen

Britta und Babak führen ein erfolgreiches Unternehmen.

Die als Therapiepraxis getarnte Selbstmordagentur könnte nicht besser laufen. Ihr Geschäftskonzept, gezielt Selbstmörder an den bestehenden Bedarf zu vermitteln, gelingt dank Babaks Algorithmus Lassie spielend leicht. Die Liste der potentiellen Kunden ist lang, das Auswahlverfahren, welches Britta wie auch Babak selbst durchlaufen haben, hart.

Doch plötzlich gibt es scheinbar Konkurrenz am Markt und die Welt der beiden gerät aus den Fugen.

Während sich Brittas Mann plötzlich dank eines noblen Investors mit seiner eigenen Firma endlich am Ziel sehnt, erkennt Britta viel zu spät den wahren Grund des scheinbar selbstlosen Geldgebers.

Für Britta beginnt damit eine Zeit des Zweifels und für Babak ungeahnte Zeit zur Suche nach sich selbst.

Über Flucht, Angst und dem brennenden Wunsch nach mehr Demokratie zerreißt es fast dieses innige Band an Freundschaft. Doch dann tritt unerwartet Julietta wie aus dem Nichts aus und sieht sich als erstklassige Absolventin des 12 Stufenprogrammes auch als Retter dieser Freundschaft.

Im Deutschland der Juli Zeh herrschen andere Mächte. Die Menschen sind der Demokratie überdrüssig und die Machthaberhin herrscht konkurrenzlos. Doch sollte man immer an den kleinen Funken Hoffnung glauben, der sich nach dem Guten im Menschen sehnt. Ganz besondere Sehnsucht liegt in der einzig richtigen Entscheidung, die ein Mensch trifft.

Möchten wir in so einer Zukunft leben? Sollten wir als Leser nicht erschrocken sein, von einer Zukunft zu lesen, in der potentielle Selbstmörder für lukrative Geschäfte zur ultimativen Umsetzung einer Botschaft eingesetzt werden. Ist es nicht traurig, dass sich die Menschen überhaupt keine Gedanken mehr über ihr politisches Leben und ihr Erbe an die Zukunft machen?

So einfach die Geschichte dem Leser am Anfang erscheinen mag, so kompliziert wird sie bei der Betrachtung von Brittas Familie und deren Freunde sowie Babaks Leben in einer Welt voller Versteckspiel und Selbstverachtung.

Die im Artikel hinterlegten Verlinkungen, bzw. die Rezensionen beziehen sich auf Produkte, die ich nicht selbst erstanden habe. Sie wurden mir von den Herstellern bzw. Verlagen oder Autoren zur Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt! #Werbung, Rezension

 

Ältere Beiträge

© 2018 tinaliestvor

Theme von Anders NorénHoch ↑