Barbara Fradkin – Die Schneetoten

Über Weihnachten habe ich mich bereits mit der kanadischen Krimiszene beschäftig und bin so auch auf Barbara Fradkin gestößen.

Irreführung steht bei Barbara Fradkin ganz groß im Vordergrund. Amanda Doucette begibt sich nach einem schweren Trauma mit einer gemischten Gruppe von jugendlichen Flüchtlingen in die tiefste Schneewildnis Kanadas. Dort will sie vor allem zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen und tief verwurzelter Kriegswunden vermitteln.

Kurzfristig drängt sich ein abgelehnter Schüler. Amanda beschließt, trotz Ablehnung ihres Mitarbeiters, den jungen Kanadier Luc mit auf die Tour zu nehmen.

Als ob die Kälte nicht schon allen zu schaffen machen würde, brodelt es untereinander gewaltig, dennoch gelingt es Amanda und ihren beiden Führern die Jugendlichen in eine wahre Abenteurertruppe zu verwandeln.

Erst als Luc verschwindet, immer mehr Geheimnisse gelüftet werden und dann auch noch Yasmina allein in die Wildnis aufbricht wird Amanda klar, dass hier eigentlich ein ganz anderes Spiel gespielt wird und sie von Anfang an die Regeln nicht verstand.

Mit Hilfe von Amandas Freunden, dem Journalisten und Mitinitiator Matthew sowie dem Mountie Chris, dem Retter aus ihrer letzten brenzligen Situation gelingt es nach und nach, diesen so perfiden Plan zu durchschauen.

Wer kennt nicht Kanadas unglaubliche schneebedeckten Weiten und diese bezaubernden modernen und offenen Millionenstädte? Doch Barbara Fradkin betrachtet ihr Heimatland von einer ganz anderen Seite. Während Kanada sich als Einwandererland rühmt, scheinen doch die Immigranten auf sich gestellt und ganz besonders die nächste Generation noch mehr mit sich selbst und der Vergangenheit in Konflikt.

Das Land selbst auf eine großartige Zukunft und massenweise Tourismus eingestellt, scheitert an zwei Landessprachen und an einer Polizeiverwaltung, die ein Laie kaum zu verstehen vermag.

Fradkin macht mit „Die Schneetoten“ auf die Verletzbarkeit der Natur und dem unnatürlichen Drang der Menschen nach Freiheit aufmerksam. Generationen von Menschen auf der Flucht und dem Wunsch nach Freiheit haben sich allerdings auch in Kanada noch nicht wirklich selbst gefunden.

Ich bedanke mich herzlich beim Aufbau Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Da es sich bei „Die Schneetoten“ bereits um den 2. Teil der Amanda Doucette Reihe handelt, empfiehlt es sich, zuerst den 1. Band „Die Toten in den Klippen“ zu lesen, auch wenn die beiden Krimis sich dennoch unabhängig voneinander lesen lassen.