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Schlagwort: Interview (Seite 1 von 3)

5 Fragen an Byron Weigand

Lieber Byron, vielen Dank für Deine Antworten!

1. In deinem Krimi hast Du Dich sehr auf ganz besonders Milieu beschränkt, was war dafür ausschlaggebend?

In „Hurensohn“ geht es genau darum, nämlich um den Sohn einer Frau, die sich prostituiert. Das meine ich nicht als Schimpfwort, sondern als faktische Tatsache. Anfangs scheint das Stigmata eindeutig, doch im Laufe der Geschichte wird der Blickwinkel aufgeweicht und die Zuordnung zur Person – und auch Wertung des Wortes – wird im Zwielicht der Handlung immer schwieriger.

Als ich das Buch geplant habe, stellte ich mir gebrochene Menschen vor, die alle ganz allein ihr Schicksal zu tragen hatten. Missbrauch war in vielen dieser Schicksale zu finden und dieser Missbrauch konnte ganz unterschiedlich aussehen. Sexueller Missbrauch, Drogenmissbrauch und eben auch Kindesmissbrauch. Mir wurde relativ schnell klar, dass diese Reizüberflutung nur dort spielen konnte, wo Missbrauch und käuflicher Sex zum Alltag gehören: dem Rotlicht-Milieu.

2. Deine Geschichte ist ja nichts für zarte Seelen. Realität oder ein guter Schuss Fiktion?

Ich möchte der Auflösung der Geschichte nicht vorweg nehmen, daher bleibe ich hier etwas schwammig: wer glaubt, dass sich nur ein sehr krankes Hirn eine solch abartige Geschichte ausdenken kann, der irrt. Das Leben des „Hurensohnes“ hat sich tatsächlich so abgespielt (und am Ende des Buches verrate ich seinen Namen …).

3. Die Polizisten in deinem Buch verbiegen ganz schön unsere Gesetz. Findest Du, dass unsere Gesetzgebung noch passend zu unserer heutigen Lebenssituation ist?

Das ist eine sehr schwierige Frage, die ich aus zwei Perspektiven beantworten möchte. Zum einen ist es so, dass uns die moderne Gesellschaft vor Schwierigkeiten bringt, die es noch vor etwa 20 Jahren nicht gab. Beispielsweise der Umgang mit Rockerclubs, Familienclans oder die Gefahr durch Terroristen. Die Behörden reagieren auf die neuen Herausforderungen langsam, sind durch Stellenabbau und medialen Druck beeinträchtigt. Die Stimmung in der Gesellschaft ist aufgeladen, der Mob lauert auf allen Seiten des politischen Spektrums. All diese Dinge greife ich in meinem Buch auf. Mein Protagonist Robert Bormann ist diesem Druck Tag für Tag ausgesetzt und scheitert daran. Er wird am Ende quasi zum Wolf, um den Wolf zu jagen. Als ich mir meinen männlichen Hauptcharakter vorgestellt habe, dachte ich an einen Cowboy aus der Zeit des wilden Westens. Ein Antiheld, der ständig betrunken ist und immer eine Hand am Revolver hat. Im Grunde ist er kein Gesetzeshüter, sondern ein Outlaw. Insofern habe ich mich aus der erzählerischen Perspektive um die Antwort gedrückt – allerdings war das auch gar nicht mein Thema.

Ich als Mensch allerdings (nicht als Autor) glaube, dass die Gesetzgebung schon noch unserer heutigen Lebenssituation angemessen ist – unsere Behörden müssten sie nur konsequent und selbstbewusst durchsetzen.

4. Ist unser Leben durch unsere Herkunft vorbestimmt? In Deiner Geschichte hat ja die Herkunft einen ganz dicken roten Faden.

Eine sehr philosophische Frage. Ich glaube, dass dies tatsächlich so ist und die Kunst im Leben daraus besteht, dieser Vorherbestimmung zu entfliehen. In der Realität scheitern wahrscheinlich 99% aller Menschen an dieser Aufgabe, aber ihre Lebensgeschichten sind dennoch interessant. Dieser Kampf ist der Motor einer jeden Geschichte, der darüber entscheidet, ob der Leser ein Buch bis zum Ende durchliest (bzw. überhaupt zu lesen beginnt). Je schlechter die Chancen stehen, um so interessanter wird die Geschichte. Obwohl meine Protagonistin Stella viele schlechte Eigenschaften hat, fiebert man doch mit ihr. Ihr Kampf um das eigene Schicksal und das ihres Sohnes macht die zur Sympathieträgerin.

5. Was ist Dein nächstes Projekt?

Wie man unschwer erkennen kann, habe ich eine Faszination für menschliche Abgründe und finstere Settings. Darüber hinaus orientiere ich mich gern an wahren Geschichten, die ich in einen authentischen und aktuellen Kontext setze. Mein kommendes Buch wird (soviel verrate ich an dieser Stelle) im Strafvollzug spielen – wir kommen also in den Knast. Doch auch hier, wo scheinbar die Rollen klar in „gut“ und „böse“ aufgeteilt sind, wird man am Ende niemandem mehr trauen können. Oh, und einen polarisierenden Titel wird auch wieder tragen. Doch mehr kann ich an dieser Stelle nicht verraten – denn Verräter sind im Knast nicht gut gelitten …

Ich bedanke mich nochmal ganz herzlich bei Byron Weigand und bin gespannt auf den nächsten Krimi!

5 Fragen an Corinna Möhrke

Wie kommt man auf die Idee, ein solches Thema in einem Kinderbuchformat zu verfassen?
Das Thema hat sich mir im kontinuierlichen Umgang mit Kindern immer wieder angeboten, manchmal geradezu aufgedrängt, so dass ich den häufigen, manchmal panischen Fragen und den Ängsten der Kinder wie z.B.: „Was ist eigentlich, wenn

  • die mich ärgern?“
  • die anderen über mich lachen?“
  • ich das nicht schaffe?“
  • usw.

etwas entgegen setzten wollte. So ist die Idee aus dem Leben geboren und ich habe sie nur noch aufgeschrieben.

Ich „leide“ manchmal an Kopfkino der anderen Art, d. h. ich denke einfach zu viel nach. Aber jetzt kenne ich ja eine Möglichkeit, auch diesem vielleicht ein wenig entgegen zu treten. Nutzen Sie selbst auch eine Art von Kopfkino?

Ja, immer und immer wieder. Es ist Trainingssache und letztlich auch eine Lebensaufgabe, mit den Ängsten und Sorgen, die einem das Leben so bietet, vernünftig umzugehen.

„Kindermund tut Wahrheit kund“, wer kennt diesen Spruch nicht? Warum sind Kinder so schmerzhaft ehrlich?

Weil die Erziehung noch nicht lange genug gewirkt hat bwz. wirken konnte, um sie „eingenordet“ zu haben.

Sie bieten in Ihrem Beruf auch pädagogische Unterstützung durch Tiertherapien an. Wie sind Sie da auf den „Hund gekommen“?

Meine Eltern züchten seit über 65 Jahren Foxterrier, so dass die Hunde schon vor mir in der Familie waren und ich im wahrsten Sinne des Wortes „zum Hund“ gekommen bin. Die Vorzüge und Vorteile des Umganges mit Hunden habe ich am eigenen Leben erlebt und wollte dieses Kindern vermitteln, die diesen Vorteile eben gerade nicht und besonders nötig haben.

Die Arbeit mit Menschen setzt eine Menge an Neugierde und Empathie voraus und dennoch leidet unsere Gesellschaft genau an solchen Fachkräften. Wie kann man solche Berufe für junge Schüler und Schülerinnen interessanter machen?

Empathie muss vermittelt/gelehrt/gelebt werden, dann kommen die Schüler und Schülerinnen später von selber auf die Idee, so ein Berufsbild toll, spannend, interessant zu finden. Doch leider wird Empathie im (schulischen) Alltag sehr wenig vermittelt. Genau das vermittelt aber der Umgang mit Tieren/Hunden und so bin ich zu dem Berufswunsch gekommen.

Ich bedanke mich ganz herzlich für die Antworten bei Corinna Möhrke! Die Interviewfragen bezogen sich auf das Buch „Klara & Delfi„.

5 Fragen an Nica Casement

Frederike ist auf der Flucht vor ihrer eigenen Vergangenheit und hofft auf ihrer Reise endlich davon loszukommen. Wie gelingt es Dir als Autorin dem uns allen so bekannten „Hamsterrad“ zu entkommen. Was ist deine Art der Flucht?

Schreiben! Da ich das nicht hauptberuflich verfolge, stellt das Schreiben an sich (das Drumherum weniger) eine hervorragende Auszeit vom Alltag dar. Deshalb würde ich auch nie autobiografisch schreiben oder mich nur auf ein Genre festlegen.

Lars entpuppt sich in seinem tiefsten Inneren doch noch als Mensch, der sich trotz seiner Verfehlungen nach Liebe und nach Geborgenheit sehnt. Als Leser schwankt man zwischen Mitleid und mit dem Drang diesen Jäger zu stoppen. Fehlt uns in der heutigen Zeit nicht allen ein wenig Menschlichkeit?

Ob sie uns fehlt, das weiß ich nicht genau. Ich denke aber, dass viele Menschen sie Konsum, Bequemlichkeit, Wohlstand oder Egoismus unterordnen – oder schlichtweg überfordert sind. Das gilt insbesondere, wenn Entscheidungsträger es an Konsequenz und Lösungswillen für die wichtigen Probleme der Welt fehlen lassen. Sicherlich entsteht dann bei vielen Menschen der Eindruck: „Was soll ich kleines Licht denn ausrichten, wenn die Mächtigen der Welt nichts tun?“ Meiner Meinung nach darf das jedoch nicht als Ausrede herhalten.

Der Roman folgt einer bestimmten „Spur“ durch Schweden. Ist es eine Deiner ehemaligen Reiserouten? .

Tatsächlich habe ich jeden der genannten Orte besucht (mit Ausnahme von Oslo, aber das liegt ja auch nicht Schweden). Daher habe ich auch eine zu den einzelnen Buchkapiteln passende Fotoserie auf meiner Homepage veröffentlicht. Genau dieselbe Reihenfolge oder Route hatte ich allerdings nicht.

Mit dem Norden verbinden wir Hygge, Besinnlichkeit und Ruhe. Aber auch sehr blutige Thriller und brutale Mordgeschichten. Wie passt das Deiner Meinung nach zusammen?

Einmal ohne Begleitung in einem dieser tiefen, dichten und endlosen Wälder stehen, vielleicht sogar kurz vor Sonnenuntergang – da kommen die finsteren Vorstellungen ganz von alleine!

Für einen anstehenden Tripp in den Norden darf in Deinem Gepäck niemals fehlen?

Warme Kleidung, eine (Wander-)Karte – aus Papier! -, ein Kompass und ein Messer.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Nina Casement für das Interview zu ihrem aktuellen Buch „Jagdsaison„.

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