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Schlagwort: Interview (Seite 1 von 2)

Anne-Gine Goemans –
Honolulu King

Anne-Gine Goemans – Honolulu King

Hardy Hardy führt in seinem niederländischen Toko ein bescheidenes Leben. Seine Enkelin und seine alten Bandmitglieder George und Cok helfen ihm aus, während er sich rührend um seine demente Frau Christina in einem Seniorenheim kümmert.

Um mit seiner dunklen, kriegsbelasteten Vergangenheit abzuschließen, gelingt es Hardy bei der ortsansässigen Freimaurerloge sein Baustück zur Aufnahme zu präsentieren. Anders als erwartet sind die Reaktion verhalten, ja sogar Angst schwebt in der Luft.

Seine Enkelin Synne, selbst in ihrer eigenen Welt auf der Sehnsucht nach wahrer Liebe gefangen, befasst sich mit alten Kassettenaufnahmen. Die Interviews auf den Kassetten befassen sich alle mit der indonesischen Kriegsvergangenheit und lassen kein gutes Haar an den Japanern und anderen Besatzern.

Hardy beschließt nach der Veröffentlichung seines Baustücks auch gegenüber seiner Familie und seiner engsten Freunde eine Wiedervereinigung seiner alten Band und gibt musikalisch alles, was er zu bieten hat.

Während dieser Geschichte befand ich mich mehrfach auf Kriegsfuß mit Hardy, mit Synne und ja, manchmal auch mit Aswani. Es ist schwer, so viel Kriegsleid auf so wenigen Seiten zu verarbeiten und dabei stets natürlich nur die eigene Vergangenheit zu betrachten.

Diese unglaubliche Trauer, die diese so multikulturelle und von Musik und Kunst umgebene Familie so in ihrem Bann hält, macht es dem Leser schwer, sich für diese offene und mutige Musik zu begeistern.

Wer von Anne-Gine Goemans erwartet, hier die Geschichte über eine hawaiianische Version des Buena-Vista-Social Clubs zu lesen, liegt völlig falsch. Mit Honolulu King begegnet man scheinbar dunklen Familiengeheimnissen, einer Welt der völligen Zerstörung und so viel Hass, dass man sich manchmal als Leser selbst aufmuntern muss. Diese Kriegsdramen gehören zwar der Vergangenheit an, aber die Welt und die Menschen ihren eigentlichen Frieden darüber hinaus noch nicht gefunden haben.

Die im Artikel hinterlegten Verlinkungen, bzw. die Rezensionen beziehen sich auf Produkte, die ich nicht selbst erstanden habe. Sie wurden mir von den Herstellern bzw. Verlagen oder Autoren zur Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt! #Werbung, Rezension

5 Fragen an Wolfgang Wirth

Wolfgang Wirth -...und ich will nicht gnädig sein!

Wolfgang Wirth -…und ich will nicht gnädig sein!

Lieber Wolfgang,

vielen Dank für „…und ich will nicht gnädig sein!„.

Ich bin immer über die Hintergründe und über die Entstehung einer Geschichte neugierig und freue mich natürlich sehr über das kleine Interview mit Dir.

Tina:
Der Thriller spielt zu Beginn in Kappadokien, in der tiefsten Türkei. Ist das ein Land und ein Reiseziel, welches Sie selbst fasziniert und auch schon selbst bereist haben?

Wolfgang:

Ich habe in der Tat die im Buch beschriebene, abenteuerliche Reise selbst gemacht, wenn auch nicht als Abiturabschluss und auch ohne blutigen Mord. Man lernt auf solchen Trips Land und Leute besser kennen. In meinen Büchern lasse ich gerne eigene Erlebnisse, u.A. von meinen Reisen rund um die Welt, mit einfließen, das macht die Geschichten anschaulicher.

Tina:
Rache als prägendes Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Während Nick sich dank seiner innigen Rachegedanken das Überleben im Gefängnis sichert, sind seine alten Klassenkameraden scheinbar von Gier zerfressen. Was treibt Sie persönlich an?

Wolfgang:

Glücklicherweise weder Rache noch Gier! Ruhe und Frieden ist, was ich erleben möchte, und somit Spaß am Leben. Wenn ich das dann noch mit Freunden teilen kann, ist Alles perfekt. Mit meinen Büchern ist es ähnlich. Ich habe Spaß daran, spannende Geschichten zu erfinden und zu teilen. Wie jeder „Künstler“ freue ich mich natürlich auch über den „Applaus“!

Tina:
Dieser Krimi zeigt die tiefsten Abgründe, in die Menschen hineingeraten können. Die Sünden überschlagen sich fast und selbst der Pfarrer hat „Leichen“ im Keller. Fehlt den Menschen heutzutage Ihrer Meinung nach die Ehrlichkeit als Grundeigenschaft?

Wolfgang:

Ja, ich glaube, dass unsere Gesellschaft von Egoismus und Ellbogenmentalität geprägt ist, jeder ist nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. In diesem Zuge leidet auch die Ehrlichkeit. Gerade in der Politik ist dies immer wieder erkennbar, weltweit. Mit Verlogenheit wird die Welt regiert. Schade, es könnte so schön auf unserer Erde sein, wenn die Völker ehrlich und friedlich miteinander umgingen.

Tina:
Nick betrachtet Joe als seinen Freund. Diese Freundschaft umfasst allerdings auch Mord, Gewalt und scheinbar ausgezeichnete Spionagekenntnisse. Was macht für Sie wahre Freundschaft aus?

Wolfgang:

Wie heißt es so schön: „Mit guten Freunden kann man Pferde stehlen“ – ich füge hinzu: „…und auch zurückbringen!“ Leider merken Menschen häufig erst in schwierigen Situationen, wer ihre wahren Freunde sind. Dies vorher zu erkennen heißt wahre Freundschaft.

Tina:
Mainz und Wiesbaden sind neben der Türkei der zentrale Spielort des Thrillers. Findet man in diesen „beschaulichen“ Städtchen auch wahre Abgründe für Ihren nächsten Thriller?

Wolfgang:

Ich wollte dieses Mal meine Geschichte in meine Heimat verlegen, ohne daraus einen „Lokalkrimi“ zu machen. Die Story könnte auch in jeder anderen Stadt spielen. Meine bisherigen Plots fanden immer in großen Metropolen statt wie Paris, Dubai, Berlin (siehe auch Antwort 1). Aber es hat natürlich immer einen besonderen Reiz, wenn der Leser bestimmte Ecken wiedererkennt oder Bezug zu lokaler Politik oder Problemen wiederfindet. Ob mein nächstes Buch wieder Heimatbezug hat, weiß ich noch nicht, wird aber wahrscheinlich auf einem Kreuzfahrtschiff stattfinden, vielleicht auch auf dem Rhein… 

 

5 Fragen an Emil Horowitz

Gespräche auf einem absurden Planeten

Gespräche auf einem absurden Planeten

Ich bedanke mich nochmals herzlich bei Emil Horowitz für sein neues Ebook „Gespräche auf einem absurden Planeten“.  Meine Rezension dazu findet Ihr hier. Im Anschluss bat ich Emil Horowitz noch um ein kleines Interview, natürlich bezugnehmend auf sein neues Buch.

Tina: Tiefgründige Romane und mehrteilige Familiengeschichten sind derzeit aktueller denn je, man besinnt sich wieder zur eigenen Vergangenheit. Bei Ihren Kurzgeschichten hatte ich als Leserin den Eindruck, dass einem mehrfach der Spiegel der Realität vorgehalten wird. Brauchen wir diesen Spiegel mehr denn je, damit wir uns überhaupt noch als Mensch darin erkennen können?

Emil Horowitz: Aus meiner Sicht hat belletristische Literatur eine dieser beiden Aufgaben: die Reflexion der wirklichen Welt, um sich durch das Lesen mit Aspekten des Seins zu beschäftigen, die vorher außerhalb des Blickwinkels lagen, oder die Reise in phantastische Welten, die uns zeitweise aus den Zwängen unseres Daseins befreit und uns an Orte schickt, die uns sonst verschlossen bleiben. In meiner schriftstellerischen Arbeit verfolge ich beide Richtungen. Bei „Gespräche auf einem absurden Planeten“ war mir vor allem die Relflexion der realen Welt wichtig. Ja, ich finde es wichtig, das wir uns regelmäßig diesen Spiegel vorhalten. Ich glaube aber nicht, dass uns unsere heutige Zeit dazu einen besonderen Grund liefert. Es ist wie bei einem Blumenbeet: Nur bei regelmäßiger Pflege wird das Beet blühen. Wenn wir das tun, gibt es für Phasen besonderer Pflege keine Notwendigkeit, sie wären ein Zeichen vorangegangener Vernachlässigung.

Tina: Das Cover Ihres Buches erinnert mich an neu gewonnene Buchgenres. Heute sind Mangas und Marvel-Storys auf dem Buchmarkt nicht mehr wegzudenken, diese Geschichten sind voller Helden und Antihelden und erzählt sich fast alleine durch deren Bilder. Was hat Sie ausgerechnet entgegen dem Trend dazu verleitet, Kurzgeschichten zu schreiben?

Emil Horowitz: Dazu gibt es zwei Antworten. Erstens: Ich richte mich nicht nach Trends, sonst wäre ich Modestylist statt Schriftsteller geworden. Zweitens: Kurzgeschichten sind in der Regel nicht das Ergebnis einer bewussten Entscheidung. Sie fallen ganz automatisch an, während man sich mit anderen Projekten beschäftigt. Manchmal drängen sie sich regelrecht auf. Sind sie in ausreichender Anzahl zusammengekommen, wird ein Buch daraus. Das ist ein ergebnisoffener Vorgang. So dauert die Akkumulation von Geschichten zu meinem anderen Kurzgeschichtenprojekt „Fraktalroman“ bereits seit über zehn Jahren an. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass daraus nie ein Buch wird.

Tina: Was braucht man Ihrer Meinung nach, um diesem Irrsinn unserer Zeit, der ja in ihren Kurzgeschichten deutlich hervorgehoben wird, zu entfliehen? 

Emil Horowitz: Ich glaube, der Versuch, dem Wahnsinn unserer wirklichen Welt entfliehen zu wollen, ist der falsche strategische Ansatz. Eskapismus führt nur scheinbar zu befriedigenden Lösungen. Wir sollten uns den Absurditäten und Abwegen unserer Welt mutig und entschlossen stellen und versuchen, einen Weg zu finden, damit umzugehen. Wenn uns das gelingt, könnten unsere Erkenntnisse vielleicht auch anderen helfen.

4. Wo fängt für Sie Phantasie an und wo hört Realität auf?

Emil Horowitz: Das ist eine derart komplexe Frage, dass sie Stoff für ein eigenes Buch wäre. Allerdings treffen Sie da einen Nerv bei mir, denn die Fragen Wie real ist die Virtualität und Wie virtuell ist die Realität gehören zu meinen Lieblingsthemen. Ich habe früher eine elektronische Publikationsform herausgegeben, die heute kaum mehr bekannt ist, das eZine (Electronic Magazine). In meinem damaligen eZine „avAtaR“ habe ich dieses Thema in dem Artikel „Die V-Akten“ behandelt. Wenn es Sie interessiert, hier der Link: http://www.nexo.de/avatar/

5. Meine letzte Urlaubsreise liegt jetzt genau einen Monat zurück. Unser Trip entlang der Ostküste der USA war sehr erholsam und schon lange notwendig. Wo können Sie am Besten entspannen und über neue Buchideen nachdenken?

Emil Horowitz: Ich glaube, ich habe noch nie über neue Buchideen nachgedacht. Die Ideen haben immer bei mir angeklopft, meistens als Ergebnis assoziativer Prozesse aus dem sozialen Umfeld. Mittlerweile habe ich eine Datenbank mit Buchideen, die für mehrere Schriftstellerleben reichen. Derzeit hoffe ich, dass mir nichts Neues mehr einfällt, denn jede neue Idee verstärkt meine Unruhe, in meinem Restleben nur einen verschwindend kleinen Teil meiner Erzählkonzepte realisieren zu können.
Vielen Dank für die offenen und wirklich sehr interessanten Antworten. Ich bin gespannt auf weitere Storys aus der „Datenbank der Buchideen“.
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