J. Ryan Stradal –
Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens

Lars Thorvalds Kindheit war nicht einfach. Die Familienbäckerei lief ganz gut. Doch als angesehene Mitglieder der lutherischen Kirchengemeinde musste Lars jedes Jahr den Stockfisch zubereiten. Der Gestank haftete ihm tagelang an und sich davon und vom Rest seiner Familie zu lösen war seine Überlebensstrategie.

Als Koch lief Lars auf Hochtouren und so gelang es ihm, die schöne Sommelière Cynthia aufzugabeln. Frisch auf der Welt wollte Lars seiner Tochter alles bieten, was ihm als Kind an Geschmack fehlte.

Als Cynthia es als Mutter und stillgelegter Karriere nicht mehr aushält, verlässt sie Lars und Eva. Dank seines Bruders und dessen Freundin Fiona gelingt es Lars bis zum Tag seines unerwarteten Todes über die Runden zu kommen.

Mit Elf zieht Eva ihre eigenen megascharfen Chilis im Kleiderschrank. Ihr Geschmacksinn ist derart ausgeprägt, dass sie, ohne es zu merken, stets damit aneckt. Ihre Familie ist ihr ein Rätsel und Freundschaften schießt sie nur schwer. Einzig ihre Kochkünste bringen sie voran.

Die Erzählstränge sind vielseitig und zeichnen typische amerikanische Karrieren. Verlust, Neid und Angst prägen die Menschen um Eva herum als sie gemeinsam mit einer Bekannten eine Idee hat.

Die Idee entwickelt sich zu einem großen, wenn auch waghalsigen Geschäft. Evas Bekanntheitsgrad lässt ihre Warteliste steil nach oben gehen. Eva Geschmacksinn und Kreativität in der Küche sind einmalig und ihren Gästen tausende von Dollar wert, um einen Tisch in ihren Pop-up Restaurants zu ergattern.

Doch ihre Gaumenfreunde birgt für andere auch den Drang, endlich mit der Wahrheit herauszurücken.

Cynthia erhofft sich, mit einem Ticket endlich ihrer Tochter zu begegnen.

J. Ryan Stradal erzählt von lebenslangen Versagern und Menschen, denen es nie gelingen wird, sich selbst zu verwirklichen. Eva hingegen unterstützt gerade die Menschen, die ihr auf ihrem Weg, wenn auch nur für einen kurzen Moment weitergeholfen haben mit einem Job in ihrem Team.

Ob leidgeplagte Hausfrau mit einem Riegelrezept, einen ehemaligen Drogensüchtigen Wildjäger oder ihre Cousine, die zu früh schwanger wird. Eva findet einen unauffälligen konstanten Weg, die Leben dieser Menschen zu prägen und zu unterstützen.

Evas anfängliche Naivität fand ich bis zur letzten Seite schwierig.

Stradel hinterlässt nebenbei einen feinen Seitenhieb auf diese Kochszene.

Dieses Buch stand lange auf meiner Wunschliste. Nach dem Kauf lag es allerdings dann doch etwas auf dem SUB herum und jetzt ging es mit auf Reisen. Vielleicht schafft es irgendwann einmal Pats Riegel in meinen Backofen.

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