Susanne Kerckhoff –
Berliner Briefe

Susanne Kerckhoff ist mutig. Sie lässt sich auch, zumindest in einem Teil ihres kurzen Lebens, nichts vorschreiben. Im Gegenteil, sie dominiert die damalige Männerwelt der DDR.

1948 veröffentlicht Kerckhoff ihren halbfiktiven Roman. Für damalige Zeiten modern in kurzen Briefen verpackt, erzählt die junge Helene per Post ihrem Jungendfreund Hans ihre Sicht des Krieges.

Hans fehlende Antworten als emigrierter Jude aus Paris machen es dem Leser möglich, selbst auf Helenes Briefe zu antworten.

Aufrichtig und schonungslos offen berichtet Helene von der Sinnlosigkeit des Krieges und dem besonderen Ton, den die Nachkriegszeit vorgibt. Doch will man das so kurz nach der so schweren Kriegszeit lesen?

Kerckhoff beschließt, dass die Zeit reif für die Wahrheit ist. Sie hofft inständig auf den Sinneswandel der Menschen, nichtsahnend, dass sie mit ihrer journalistischen Art, gleichwohl erneut auf Gegenliebe stößt.

Sie muss sich wie Helene im Laufe der Zeit eingestehen, das Freiheit nicht wirklich Freiheit bedeutet und das auch in der DDR keineswegs der Feminismus frei gelebt werden kann. Freiheit, was ist das überhaupt?

Helene schreibt offen über ihre Hilflosigkeit an Hans. Dennoch leuchtet ein Innerer Funke, immer auf der Sehnsucht nach Freiheit und Hoffnung in ihr, der nur schwer zu löschen ist.

Helene, wie auch Susanne, gibt es keine Alternative. Während Susanne den Freitod wählt, bleibt Helenes Zukunft für den Leser offen. Man muss sich als Leser, wie auch schon bei Hans fehlenden Schreiben, die „Freiheit“ nehmen, selbst zu antworten.

Dank Peter Graf erfahren wir ein wenig mehr über diese mutige Frau, die ihren ganz eigenen Weg ging.

Ich bedanke mich herzlich bei dem Verlag „Das kulturelle Gedächtnis“ für das Rezensionsexemplar. Es ist immer wieder gut und wichtig, dass man seine eigene Geschichte und die Historie seines Heimatlandes nicht vergisst.

Wo wir herkommen und was wir daraus machen, das ist nach dreizehn Briefen, ganz uns selbst überlassen.

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