tinaliestvor

books and more

Kategorie: Romane (Seite 2 von 65)

Helen Macdonald –
H wie Habicht

H wie Habicht
Helen Macdonald – H wie Habicht

Für einen großen Vogelbewunderer wie mich kam „H wie Habicht“ gerade recht. Doch Helens Geschichte ist nicht einfach erzählt.

Nachdem ihr Vater unerwartet an einem Herzinfarkt stirbt, fühlt sie sich verlassen, einsam und von der Welt nicht mehr verstanden.

Ihre Zweifel sind so groß, dass sie sich im Gegenzug dazu beschließt, mit einem neuen Jagdvogel zu beglücken.

Schon als Kind war sie der Falknerei und den Greifvögeln erlegen und hat, unterstützt von ihrem Vater, dieses Hobby mit aller Leidenschaft verfolgt.

Bücher über Bücher häufen sich in Helens Wohnung. Von den Grundzügen der Falknerei bis hin zu historischen Werken über die Greifvögelabrichtung ist alles was an Literatur existiert, vorhanden.

Um gehen ihren großen Verlust anzukämpfen, beschließt sie, sich ausgerechnet einen Habicht zuzulegen. Entgegen aller Empfehlungen tritt Mabel in ihr Leben. Dieser Vogel jedoch zwingt ihr einen Willen auf, der sich nur schwer beherrschen lässt.

Die Welt um Helen herum verschwindet merklich. Es gibt nur noch den Vogel, den es abzurichten gilt und das mit aller Kunst und allen Feinheiten.

Begleitet wird Helen von T. H. White, der ebenfalls dem Willen eines Habichts erlag. Seine Geschichte, die bis auf den Schmerz keinerlei Übereinstimmungen mit Helen aufweist, geht tief ins Mark.

T. H. White, von Geburt an schon mit Neid, Missgunst und Überforderung belegt, versucht sich hoffnungsvoll überfordert an seinem Terzel.

Whites Schmerz und Verrohung überträgt sich immer mehr auf Helen, die in sich verfällt.

Mit der Arthursage begibt sich White in ferne und fremde magische Welten. Sein Erfolg als Schriftsteller und Falkner ist mäßig, was Helen nur noch mehr anstachelt, den perfekt abgerichteten Habicht zu erzielen.

Mit Helen Macdonald begeben wir uns tief hinein in die Geschichte der Falknerei. Das scheinbare Sachbuch verschwindet leicht in der Geschichte Helens. Helens Trauer hingegen schwindet leicht in der Detailtreue über Atzung und derlei Fachbegriffen.

Man hofft auf jedem Flug Mabels, dass er zurückkommt. Die Faust von Helen muss stets der unumkehrbare Hafen für ihren Habicht sein. Noch mehr Trauer würde man kaum ertragen.

Mick Kitson – Sal

Mick Kitson - Sal
Mick Kitson – Sal

Was für ein Gespann! Sal, die hoffnungslos unterschätzte Sonderschülerin kümmert sich liebevoll um ihre jüngere Schwester Peppa.

Die alkoholkranke Mutter bring in Form von Robert das Böse mit in ihr schon zerrüttetes Heim. Für Sal stellt sich jetzt die Frage, wie sie damit umgehen soll und gerät unter der Drohung, das sich Robert auch an Peppa vergreifen wird, zu Hochtouren auf.

Als ambitionierte Planerin befasst sie sich mit Bear Grylls, Survivaltechniken und mit dem Angeln von Fischen. Der Tag rückt näher, zum Schutz Peppas ist alles gepackt und aufbruchbereit und die Stunde der bitteren Wahrheit scheint da.

Das Abenteuer Wildnis kann beginnen. Jedoch stellt sich Sal dies nicht als Abenteuer vor, sondern als Zweck zum Überleben. Sie hat einzig das Wohl ihrer jüngeren Schwester im Auge.

Mick Kitson hat mit Sal ein Kind erschaffen, das jenseits der Normalität aufwächst und schon früh um ihre Sicherheit und ganz besonders um die ihrer jüngeren Schwester Peppa kämpfen muss.

Mit einem ausgefuchsten Plan im Kopf schlägt sie sich täglich durch den Alkoholdschungel ihrer Mutter. Versorgt ihre Schwester mit Essen, Liebe und Führsorge und kämpft Nachts mit Ihren Dämonen.

Ich musste mich während der Geschichte immer fragen, ob ich in der Wildnis überleben könnte. Obwohl Sal bis aufs Angeln keinerlei Erfahrung darin hat, meistert sie grandios ihre Umwelt.

Man kämpft stetig mit Sal um Mitleid und um scheinbar hoffnungslose Liebe. Wie kann man einem Kind solche Dinge antun und sich dann nicht dafür verantwortlich zeigen?

Muss man eine solche Mutter hassen? Darf eine Mutter, die solche Dinge zulässt noch Mutter sein? Mick Kitson zwingt uns als Leser geradezu zu urteilen und dann immer wieder zu revidieren.

Ein beeindruckender Roman über das Erwachsenwerden und dem bitteren Kampf um wahre Zuneigung und Liebe.

Vielen Dank an Lovelybooks für die Leserunde und an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar.

Vielen Dank an Lovelybooks für die zauberhafte Verpackung und den Kompass!

Salih Jamal –
Orpheus

Salih Jamal – Orpheus

Musik, Liebe, Tod.

Alte Geschichte in neuem Gewand, untermalt mit einem abwechslungsreichen Soundtrack.

Orpheus ist nach dem Verschwinden seiner geliebten Nienke gefangen in der Suche nach ihr, in seiner Trauer und seinem Selbsthass.

Der einzige Weg, einen kurzen Moment seinen plagenden Schatten zu entfliehen, ist der Alkohol und die Musik.

Nienke war Anwältin in der Firma des mächtigen Zeus, Orpheus‘ Großvaters. Eines Tages verschwindet sie spurlos. Dabei war sie an diesem Tag auf dem Weg zur Polizei, zu ihrem ehemaligen Chef, dem sie voll und ganz vertraute.

Sie hatte Unterlagen dabei, die die Welt von Zeus mit einem Streich hätte zerstören können. Diese Unterlagen zeigten eine Verbindung des Patriarchen zu einem lange zurückliegenden Mord an einer Frau.

Orpheus hatte geahnt, dass Nienke sich in Gefahr begab, konnte aber seine eigenen Ängste ihr zu helfen nicht überwinden und jetzt ist sie fort. Von nun an ist Orpheus auf der Suche und kommt dabei den Geheimnissen seiner eigenen Familie und der grausamen Wahrheit auf die Spur.

Salih Jamal nimmt sich einer großartigen Sage der griechischen Mythologie an und verpflanzt sie in die heutige Welt.

Dabei wird sie in eine größere Familientragödie oder Kriminalgeschichte eingesponnen und mit einem Soundtrack zur Handlung untermalt.

Gleichzeitig betreibt der Autor eine Seelenschau seines Protagonisten Orpheus, die der Lektüre eine weitere Ebene verleiht. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen wird dies auf gerade einmal 260 Seiten verdichtet.

Salih Jamal schreibt in kurzen, prägnanten Sätzen, die trotzdem zu einem fließenden Rhythmus finden.

Ihm ist hier ein großartiges Werk gelungen, das man zusammen mit dem Soundtrack und einer Flasche Wein genießen sollte.

Ich bedanke mich herzlich bei Salih Jamal für das Rezensionsexemplar. Es war mir eine Freude in diese alte/neue Sage eintauchen zu dürfen.

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2019 tinaliestvor

Theme von Anders NorénHoch ↑