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Kategorie: Romane (Seite 2 von 61)

Catherine Lacey –
Niemand verschwindet einfach so

Ich habe selten mit einem Buch so gekämpft. Elyria, mit soviel Selbstzweifel im Gepäck flieht vor ihrem Ehemann, vor ihrer Mutter und vor der Welt mit einem einfachen Visum nach Neuseeland.

Catherine Lacey – Niemand verschwindet einfach so

Dort angekommen begibt sie sich auf eine Reise. Ihr ureigenes Ziel, ihre Selbstfindung, wirft sie mehr als einmal über Bord.

Sie trampt mit abenteuerlichen Typen quer über die Insel und übernachtet in Scheunen, Hütten und auch mal im Freien. Stets begleitet wird sie von ihrer trostlosen Vergangenheit.

Mit Gelegenheitsjobs hält sie sich über Wasser, schließt Bekanntschaften, bleibt aber allen Menschen wie auch dem Leser unnahbar.

Gefangen in ihrer Vergangenheit, ihrem Selbstfindungsprozess und einer bitterlichen Wahrheit reisen wir als Leser mit Elyria und möchten diese junge Frau einfach nur noch wachrütteln.

Mit Catherine Lacey habe ich es mir nicht leicht gemacht. Diese preisgekrönte Geschichte empfand ich als anstrengend und die Aufopferung meinerseits, diese Geschichte zu Ende zu lesen, ist meine Art, Elyria einen gehörigen Schub in die richtige Richtung zu geben.

Einzig mit ihrer besonderen Art, die Geschichte Elyrias zu erzählen, lies mich diese Lesereise zu Ende führen. Sätze wie, „ Meine Entscheidungen waren arme Schlucker…“, hielten mich bei dieser Leidensgeschichte über Wasser.

Ich bedanke mich beim Aufbau-Verlag für diese ganz eigene Reise durch Neuseeland.

Anne Cathrine Bomann –
Agathe

Anne Cathrine Bomann – Agathe

Ein Psychiater zählt seine letzten Arbeitstage bis zu seinem Ruhestand und es kommt ihm selbst nicht komisch vor?

Schon kommt man selbst ins Grübeln, kennt man doch die tollen Abreiskalender für angehende Rentner und besinnt sich selbst an eigene letzte Tage.

Geplagt von seiner Einsamkeit wird der Psychiater auf seine letzten Tage doch ein wenig mürrisch, als ihm seine Sekretärin noch eine neue Patientin auf den Diwan legt. Er beschließt zu rebellieren und zieht dennochden Kürzeren bei Madame Surrugue, die gerade mit ihrem sterbenden Ehemann genügend mit sich selbst zu tun hat und ihn dann auch noch auf seine letzten Arbeitstage sitzen lässt.

Die neue Patientin Agathe bringt ihn jedoch zum Umdenken. Ervergisst seine letzten Stunden zu zählen, beschließt es mit Sarkasmus und tiefer Ironie bei seinen restlichen Patienten. Die Wandlung in einen scheinbar normalen Menschen mit einem Bedürfnis nach Liebe gelingt ihm aber nicht ganz, ohne über seinen eigenen großen dunklen Schatten des Alltags zu springen.

Agathe treibt ihn unbewusst in seiner Wandlung voran undbringt ihn dazu, endlich einen Schritt in das Leben zu tun. Ein kleinerSchritt, der die Erkenntnis einer unverhofften Liebe und einem völlig neuen Leben aufzeigt.

Mit großem Schmunzeln fragt man sich als Leser, ob man es selbst als der ewig Geduldige überhaupt so weit geschafft hätte. Mit Agathe zwingt Anne Cathrine Bomann den Leser wieder zu erkennen, dass auch kleine Dinge Glück verheißen können und es für die alles entscheidende unbändige Liebe im Leben nie zu spät ist.

Vielen Dank an emotion und an Hanserblau für das Rezensionsexemplar und diese tolle Romanaktion! Es war mir ein Vergnügen!

Mein Lieblingszitat: „Als sie gegangen war, kam mir der Gedanke, ob in Wahrheit nicht vielleicht ich der Irre von uns beiden war.“

Allen Say –
Großvaters Reise

Allen Say - Großvaters Reise

Allen Say – Großvaters Reise

Allen Say war sich lange nicht darüber im Klaren, welche Geschichte in der Vergangenheit und der Sehnsucht seines Großvaters liegt.

Im traditionellen Japan geboren begibt sich der Großvater mutig mit offenen Augen und Ohren in die ferne weite Welt. Seine Reisen führen ihn in allerlei Länder. Er lernt fremde Menschen kennen und trägt dennoch eine ungeahnte Sehnsucht nach seinem Zuhause in sich.

In seinem Traumland Kalifornien angekommen verliebt er sich und wird sesshaft und gründet eine Familie. Dennoch lodert diese kleine Flamme Heimweh immer stärker bis er endgültig beschließt zurückzukehren.

Allen Says Reise endet für den Großvater mit dem Krieg und dessen abertausende von Toten. Eine Rückkehr in sein geliebtes Kalifornien scheint ihm für immer versagt.

Diese unbändige Sehnsucht packt Allen Say durch die Erzählungen seines Großvaters und er begibt sich selbst auf diese lange Reise. Doch kann er seine Sehnsucht stillen.

Dieses moderne Märchen Says zeigt uns auf, dass wir eigentlich unsere Heimat immer im Herzen mit uns tragen, egal wie weit oder nah wir auch entfernt von dieser sein mögen.

Unsere Kultur, unser Lebensziel und unsere unbändige Neugierde sollte uns regelmäßig aufrütteln zu reisen und fremde Länder und neue Menschen und deren Kultur kennenzulernen.

Eine Sehnsucht zu stillen bedeutet nicht, dass man sein Ziel endgültig erreicht hat.

Allen Says „Großvaters Reise“ in der Edition Bracklo erschienen ist ein bezaubernd ehrliche Geschichte, die die Lust auf Abenteuer und eine unbändige Neugierde weckt. Was wären wir für Menschen ohne den Drang und die Sehnsucht, die Welt zu bereisen und seinen eigenen kleinen Horizont zu erweitern?

Ich bedanke mich herzlich bei Edition Bracklo und Dr. phil. Silke Hallmann für „Großvaters Reise“. Diese wunderschön in rotes Leinen gebundene und gezeichnete Geschichte ist eine ganz besondere Lesereise wert.

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