Tariq Ali –
Im Schatten des Granatapfelbaums

Der über Jahrhunderte gelebte Friede in Granada ist zu Ende. Wir schreiben das Jahr 1499 und die Welt steht nicht nur in Spanien Kopf.

Die Wände des maurischen Königreichs bröckeln. Religiöser Fanatismus, Macht und Geldgier regieren mit. Der spanische König Ferdinand und seine Königin Isabella schaffen es, mit Hilfe der kirchlichen Inquisition ihre Macht ausreichend zu demonstrieren.

Für die muslimische Bevölkerung in Granada bedeutet diese Machtübernahme Flucht, Verlust von Heimat und der Aufgabe der eigenen Identität.

Umar steht also vor einer Wahl, die eigentlich keine ist. Als aufgeklärter Moslem muss er und seine Familie um sein Gut bangen.

Tariq Ali erzählt durch die einzelnen Familienmitglieder dieses traurige Kapitel unserer Geschichte. Was Ausgrenzung, Fanatismus und Vertreibung aus Menschen macht, sehen wir Tag für Tag.

Als Leser dürfen wie einen tiefen Einblick in diese Zeit miterleben. Atemberaubende Kunst, Bildung und ein Miteinander treffen auf Machtgier einiger weniger Menschen. Untermauert wird dies mit fadenscheinigen religiösen Weltanschauungen.

Fazit:

Tariq Ali fasziniert mit seiner Erzählweise. Er blickt tief mit den Augen der einzelnen Familienmitgliedern Umars auf sein Granada im Jahr 1499.

Die Vergangenheit in Granada wird immer wieder in unserer Geschichte zur Zukunft. Lehrreiche Stücke unserer Zeitgeschichte machen uns dennoch zu keinen besseren Menschen.

Mutig tritt Tariq Ali auch gegen Vorbehalte diverser religiöser Gruppen ein. Religion scheint schon immer eine Auslegungssache zu sein.

Bewaffnet mit schonungsloser Offenheit zeigt Tariq Ali, dass Koran und Bibel sich in ihrer Erzählung gar nicht so uneinig sind. Dass man sich als Mensch und Gläubiger, egal welcher Weltreligion immer für das Gute im Menschen und für den gesunden Menschenverstand entscheiden sollten.

Das Buch habe ich vor sehr langer Zeit gelesen. Die nächsten Romane von Tariq Ali „Die steinerne Frau“ und „Das Buch Saladin“ stehen leider noch immer in meinem SUB-Regal.

Ich bin gespannt, wie tief wir hier in Religion und Geschichte hineinblicken und staunen dürfen.

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