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5 Fragen an Byron Weigand

Lieber Byron, vielen Dank für Deine Antworten!

1. In deinem Krimi hast Du Dich sehr auf ganz besonders Milieu beschränkt, was war dafür ausschlaggebend?

In „Hurensohn“ geht es genau darum, nämlich um den Sohn einer Frau, die sich prostituiert. Das meine ich nicht als Schimpfwort, sondern als faktische Tatsache. Anfangs scheint das Stigmata eindeutig, doch im Laufe der Geschichte wird der Blickwinkel aufgeweicht und die Zuordnung zur Person – und auch Wertung des Wortes – wird im Zwielicht der Handlung immer schwieriger.

Als ich das Buch geplant habe, stellte ich mir gebrochene Menschen vor, die alle ganz allein ihr Schicksal zu tragen hatten. Missbrauch war in vielen dieser Schicksale zu finden und dieser Missbrauch konnte ganz unterschiedlich aussehen. Sexueller Missbrauch, Drogenmissbrauch und eben auch Kindesmissbrauch. Mir wurde relativ schnell klar, dass diese Reizüberflutung nur dort spielen konnte, wo Missbrauch und käuflicher Sex zum Alltag gehören: dem Rotlicht-Milieu.

2. Deine Geschichte ist ja nichts für zarte Seelen. Realität oder ein guter Schuss Fiktion?

Ich möchte der Auflösung der Geschichte nicht vorweg nehmen, daher bleibe ich hier etwas schwammig: wer glaubt, dass sich nur ein sehr krankes Hirn eine solch abartige Geschichte ausdenken kann, der irrt. Das Leben des „Hurensohnes“ hat sich tatsächlich so abgespielt (und am Ende des Buches verrate ich seinen Namen …).

3. Die Polizisten in deinem Buch verbiegen ganz schön unsere Gesetz. Findest Du, dass unsere Gesetzgebung noch passend zu unserer heutigen Lebenssituation ist?

Das ist eine sehr schwierige Frage, die ich aus zwei Perspektiven beantworten möchte. Zum einen ist es so, dass uns die moderne Gesellschaft vor Schwierigkeiten bringt, die es noch vor etwa 20 Jahren nicht gab. Beispielsweise der Umgang mit Rockerclubs, Familienclans oder die Gefahr durch Terroristen. Die Behörden reagieren auf die neuen Herausforderungen langsam, sind durch Stellenabbau und medialen Druck beeinträchtigt. Die Stimmung in der Gesellschaft ist aufgeladen, der Mob lauert auf allen Seiten des politischen Spektrums. All diese Dinge greife ich in meinem Buch auf. Mein Protagonist Robert Bormann ist diesem Druck Tag für Tag ausgesetzt und scheitert daran. Er wird am Ende quasi zum Wolf, um den Wolf zu jagen. Als ich mir meinen männlichen Hauptcharakter vorgestellt habe, dachte ich an einen Cowboy aus der Zeit des wilden Westens. Ein Antiheld, der ständig betrunken ist und immer eine Hand am Revolver hat. Im Grunde ist er kein Gesetzeshüter, sondern ein Outlaw. Insofern habe ich mich aus der erzählerischen Perspektive um die Antwort gedrückt – allerdings war das auch gar nicht mein Thema.

Ich als Mensch allerdings (nicht als Autor) glaube, dass die Gesetzgebung schon noch unserer heutigen Lebenssituation angemessen ist – unsere Behörden müssten sie nur konsequent und selbstbewusst durchsetzen.

4. Ist unser Leben durch unsere Herkunft vorbestimmt? In Deiner Geschichte hat ja die Herkunft einen ganz dicken roten Faden.

Eine sehr philosophische Frage. Ich glaube, dass dies tatsächlich so ist und die Kunst im Leben daraus besteht, dieser Vorherbestimmung zu entfliehen. In der Realität scheitern wahrscheinlich 99% aller Menschen an dieser Aufgabe, aber ihre Lebensgeschichten sind dennoch interessant. Dieser Kampf ist der Motor einer jeden Geschichte, der darüber entscheidet, ob der Leser ein Buch bis zum Ende durchliest (bzw. überhaupt zu lesen beginnt). Je schlechter die Chancen stehen, um so interessanter wird die Geschichte. Obwohl meine Protagonistin Stella viele schlechte Eigenschaften hat, fiebert man doch mit ihr. Ihr Kampf um das eigene Schicksal und das ihres Sohnes macht die zur Sympathieträgerin.

5. Was ist Dein nächstes Projekt?

Wie man unschwer erkennen kann, habe ich eine Faszination für menschliche Abgründe und finstere Settings. Darüber hinaus orientiere ich mich gern an wahren Geschichten, die ich in einen authentischen und aktuellen Kontext setze. Mein kommendes Buch wird (soviel verrate ich an dieser Stelle) im Strafvollzug spielen – wir kommen also in den Knast. Doch auch hier, wo scheinbar die Rollen klar in „gut“ und „böse“ aufgeteilt sind, wird man am Ende niemandem mehr trauen können. Oh, und einen polarisierenden Titel wird auch wieder tragen. Doch mehr kann ich an dieser Stelle nicht verraten – denn Verräter sind im Knast nicht gut gelitten …

Ich bedanke mich nochmal ganz herzlich bei Byron Weigand und bin gespannt auf den nächsten Krimi!

1 Kommentar

  1. Liebe Tina, die Zusammenarbeit mit Dir hat Spaß gemacht und ich freue mich natürlich über Dein positives Feedback auf so vielen Kanälen. Herzlichen Dank dafür! Mein nächstes Buch wird gerne wieder den Weg in deine Hände finden, das ist gewiss. Viele liebe Grüße aus Bochum, Byron!

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